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Musikalische Marienverehrung

Musikalische Marienverehrung

Marianische Musik aus einem ganzen Jahrtausend: Mit seinem Programm "Salve Regina" hat das sechsköpfige Vokalensemble Singer pur liturgische Gesänge aus dem Hochmittelalter bis zur Gegenwart in der Liebfrauenkirche präsentiert. Rund 250 Zuhörer lauschten andächtig den grandiosen Stimmen der dreimaligen Echo-Klassik-Gewinner.

Trier. Hoch schwebt die helle Stimme über den dunkleren Tönen. Die grandiose Akustik der Trierer Liebfrauenbasilika trägt sie höher und höher. Andächtig lauschen die rund 250 Zuhörer den liturgischen Gesängen des Sextetts Singer pur, das sein Programm "Salve Regina" in der der Gottesmutter geweihten Kirche präsentiert. Das gleichnamige Stück von Andreas Pévernage (1543-1591), vorgetragen vom gesamten Ensemble, Claudia Reinhard (Sopran), den Tenören Klaus Wenk, Markus Zapp, Manuel Warwitz, Reiner Schneider-Waterberg (Bariton) und Bass Marcus Schmidl, erklingt im gregorianischen Stil, ebenso wie "Inviolata integra et casta es Maria" von Josquin des Préz (um 1440-1521).
Adrian Willaerts Marienmotette "Salve sancta parens" (1559) besticht durch Mehrstimmigkeit, es scheint, dass jeder der sechs Vokalisten eine andere Melodie, einen anderen Text singt. Jeden einzelnen Vokal betonen die Sänger überlang beim "Alleluia, Nativitas Gloriosae Virginis" von Perotinus, dem bedeutendsten Komponisten der Notre-Dame-Schule (um 1200). Der Gesang erfüllt den Raum; lange hallen die kräftigen Töne nach in der gotischen Kirche, für die - als Zeitgenosse sozusagen - das Werk wie geschaffen scheint. Sopranistin Reinhard macht derweil Pause. Das Stück für Männerstimmen wird kurzfristig eingeschoben, um die angeschlagene Stimme Reinhards zu schonen, wie Schneider-Waterberg berichtet.
1000 Jahre jünger als Perotinus` Werk ist Gavin Bryars "Da ciel venne messo novello", das Reinhard gemeinsam mit Markus Zapp vorträgt, sowie "Ave Dei genitrix", beide aus 2002. Das Überraschende des Konzertes ist: Ob Vokalwerke von Perotinus oder zeitgenössischen Komponisten, alle lösen eine ähnliche Wirkung beim Zuhörer aus: Ruhe und Meditation, bei den gläubigen auch Anbetung. So dauert es auch ein wenig, nachdem der letzte Ton von Joanne Metcalfs "Io sono amore angelico" verklungen ist, das sie 1998 für Singer pur komponiert hat, bevor der Applaus und die Bravorufe des Publikums in der Basilika widerhallen.