Musikalische Reise in die Pionierzeit

Musikalische Reise in die Pionierzeit

Mit nostalgischen Klängen ist das 18. Jazz-im-Brunnenhof-Festival gestartet. Die zehnköpfige Formation Le grand Jâzz de la Rue Sigisbert aus Nancy entführte in die Pionierzeit des Jazz vor der Weltwirtschaftskrise 1929. Die klasse gespielte und witzig-charmant präsentierte New Orleans- und Hotjazz-Musik sorgte für Schwung und gute Laune bei rund 140 Zuschauern.

Trier. Bei diesem Auftaktkonzert zu Jazz im Brunnenhof hätten neben Regenjacke und Schal unbedingt Charlestonkleid und Stepptanzschuhe zur Besucherausstattung gehören müssen. Denn die zehn Musiker von Le grand Jâzz de la Rue Sigisbert treten eine Zeitreise an. Mit schrammelndem Banjo, klackerndem Stepprhythmus auf dem Schlagzeug, Ragtime-Passagen auf dem Klavier und schwungvollen Einsätzen von sechs Blechbläsern lassen sie gleich zu Beginn einen Swing-Titel von 1926 so authentisch klingen, dass man sich mitten in einem Tanzlokal der damaligen Zeit wähnt.
Im weiteren Verlauf legen Jean-Christophe Minati (Kornett), Till Sujet (Altsaxofon), Joel Ducourneau (Trompete), Denis Mermet (Saxofone, Klarinette), Reynier Denis (Saxofone), Vincent Houplon (Piano), Nico Fageot (Kontrabass), Frédéric Francais (Banjo) und Gilles Bourret (Schlagzeug) unter Leitung und nach Arrangements des Posaunisten Pierre Reboud noch einige Aha-Erlebnisse drauf. Sie tauchen weiter in die 1920er Jahre ein und spielen Jazz, wie er um 1900 in New Orleans entstanden ist, sich um 1910 bis nach New York verbreitet und Berühmtheit durch Louis Armstrong, Fletcher Henderson, Sidney Bechet und andere erlangt hat. Deutlich lassen sich Blues und Spiritual, Klezmer oder andere multikulturelle Einflüsse erkennen, die diesen frühen Jazz geprägt haben.
Durchweg strahlen die mitreißenden und melodischen Ragtime-, Foxtrott-, Blues- oder Swingstücke wie "Too Late", "The Lion", "Mojo Blues", "Freeze Out" oder das bekannte "The Mood" kreative Aufbruchsstimmung bis heiteren Übermut aus. Die Band transportiert das mit ebenso technisch brillanten wie frechen und witzigen Ensemble- und Solopartien. Einmal wird Drummer Bourret sogar mit Fingerhüten auf dem Waschbrett aktiv.
Ein Übriges zur guten Laune des Publikums tragen die charmanten Moderationen von Pierre Reboud bei. Dank eines Internet-Übersetzungsprogramms enthalten die informativen und witzigen Beiträge manche schöne Stilblüte - zum Beispiel, dass ein Komponist schon seit seinem 20. Lebensjahr fruchtbar gewesen sei. Zur fröhlichen Stimmung des Konzerts passt das bestens. Mit einer Hommage für Duke Ellington und einem Klarinetten-Solo-Gastauftritt von Gerard Minati, Bruder des Kornett-Spielers, endet ein gelungener Auftakt des 18. Jazz im Brunnenhof.
Die weiteren Konzerte der Reihe finden immer donnerstags um 20 Uhr statt: 7. Juli: Ed Romano Cool Jazz Ensemble 14. Juli: Sascha Ley & Band 21. Juli: Anne Czichowsky Quintett 28. Juli: Orchestre des Jeunes Jazzmen de Bourgogne 4. August: Ben Heit Quartet plays Joni Mitchell featuring Edith van den Heuvel 11. August: Afrodisax 25. August: Two Tenors Project feat. Julian Argüelles Karten für alle Veranstaltungen gibt es in den TV-Service-Centern Trier, Bitburg und Wittlich. ae

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