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Musikalischer Kampfgeist und feinsinnige Klangmalerei

Aaron Pilsan beim Mosel Musikfestival im Kurfürstlichen Palais in Trier. TV-Foto:Eva-Maria Reuther
Aaron Pilsan beim Mosel Musikfestival im Kurfürstlichen Palais in Trier. TV-Foto:Eva-Maria Reuther FOTO: Eva-Maria Reuther (er) ("TV-Upload Reuther"
Trier. Aaron Pilsan lässt beim Mosel Musikfestival in Trier sein junges Talent für sich sprechen, mal temporeich, mal jazzig begeistert er das Publikum. Eva-Maria Reuther

Trier Er sieht aus wie der Wunschtraum von Müttern und wirkt selbstbewusst wie einer, der schon lange im Geschäft ist. Dazu verfügt er mit seinen eben mal 22 Jahren über eine enorme Spieltechnik. Dass Aaron Pilsan ein großes pianistisches Talent ist, ist hinreichend bekannt, nicht zuletzt durch seine zahlreichen Auszeichnungen. Als Kooperationsprojekt des Mosel Musikfestivals mit dem Österreich Forum Trier war der "Rising Star" aus Österreich am Sonntag im Kurfürstlichen Palais zu Gast. Dort zeigte sich neuerlich: der pianistische Gipfelstürmer kann mehr als technischen Hochleistungssport. Er versteht sich auch erstaunlich reif auf Klanggestaltung und-deutung. Gleich eingangs geriet ihm quasi im Plauderton die Allemande aus Johann Sebastian Bachs Französischer Suite Nr.1d-Moll BWV 812 zum Juwel mit ihrer Dynamik, ihrer nach innen gewandten Nachdenklichkeit, ihrem Perlen, ihren leuchtenden und funkelnden Tönen.
Die anschließenden Teile der Tanz Suite wirkten dagegen eher hastig. Die folgende Suite Nr.3 op.18, "Pièces impromptues" von George Enescu liege ihm besonders am Herzen gestand Pilsan seinem begeisterten Publikum. Tatsächlich spielte der junge Musiker die leider selten zu hörende Komposition des Rumänen, die aus einer Reihe von Improvisationen besteht, wie einer, der sich mit Herz und Verstand in diese Musik vertieft und in sie hineingehört hat. Als feinsinniger Klangmaler machte der Pianist Vielfarbigkeit der Stücke hörbar, ihre gebrochenen Farben, ihre feine Melancholie, den einsamen Glockenklang. Die kaum gehörte Komposition des Rumänen, dessen Musik nah an Debussy, Fauré wie auch der slawischen Volksmusik ist wurde zur Wiederentdeckung und zum eindrücklichsten Klangerlebnis des Abends. Wo der Pianist bei Enescu hochsensibel war, da gab er sich bei Frédéric Chopin als Stürmer. Dessen herausfordernde Etuden op.25, ging er kämpferisch an. Dabei trieb er allerdings der Musik, die wunderbar leicht sinnieren kann und ein anderes Mal wie splitterndes Eis klingt, mit jugendlicher Energie ihre Poesie aus, ebenso wie ihre elegante Leichtigkeit und ihre impressionistischen Visionen. Was da mit zeitweise wummernden Bässen und viel Pedal erklang, war eher ein strammer Galopp durchs Stück, als eine dynamische Steigerung. Dem Publikum gefiel`s. Es bedankte sich mit lauten Jubelrufen. Der junge Künstler revanchierte sich mit mehreren Zugaben, zuletzt mit Mozarts verjazztem "Türkischen Marsch". Und da ging dann herrlich die Post ab.