1. Region
  2. Kultur

Musikalisches Gipfeltreffen in der Trierer Tufa

Musikalisches Gipfeltreffen in der Trierer Tufa

Der klassische Liedermacher - ein Typ in Latzhose mit zerzausten Haaren? Alles nur Klischee. Beim Konzertabend zeigen Künstler, wie facettenreich das Genre Lied ist.

"Selfie hier und Selfie da, ich fühl' mich wunderbar", singt das Duo Sonja und André Käpper und startet mit gesellschaftskritischen Tönen in den Liedermacherabend. Er spielt dazu Gitarre, sie Cajon, fertig ist der Sound. "Es geht um handgemachte, selbst geschriebene Musik heute Abend", erklärt André Käpper vom Mikrofon aus den Kern der Liedkunst.

Die Atmosphäre in der Tufa ist locker und entspannt. Elf verschiedene Liedermacherformationen präsentieren den circa 100 Besuchern jeweils drei bis vier Stücke. Schnell wird klar, dass die einzelnen Gruppen das Genre "Lied" sehr unterschiedlich ausgestalten, einzig die Gitarre scheint für die meisten Liedermacher ein unverzichtbarer Begleiter. Stilistisch ist der Rahmen sehr offen gehalten, die Beiträge variieren von Folk, Rock, Chanson und klassischer Liedkunst bis zu Mundart und spiegeln den Facettenreichtum des Genres wider.
Hinter dem Konzept des Abends steht Walter Liederschmitt. 1998 führte er die regionalen Liedermacher zum ersten Mal zu einem gemeinsamen Konzert zusammen. Seit seinem Tod 2013 wird die Veranstaltung auch in Erinnerung an ihn jährlich weitergeführt.

"Uns ist wichtig, dass die regionale Liedermacherszene lebendig bleibt und eine Plattform hat", erklärt Dorle Schausbreitner, die den Konzertabend seit 2014 federführend mit ihrer Band organisiert. Die einzige Richtlinie sei, dass die Texte auf Deutsch verfasst und selbst geschrieben seien. Cover-Songs seien die Ausnahme.
"Dadurch wollen wir uns als Liedermacher bewusst vom Bereich Singer-Songwriter abgrenzen", ergänzt Florian Schausbreitner. Dem Text komme deshalb eine große Bedeutung zu. "Die Herausforderung dabei ist, einen guten Text auf Deutsch zu schreiben, der nicht kitschig oder banal klingt, sondern ein Stück Poesie ist", erklärt Dorle Schausbreitner, die die Stücke für ihre Band schreibt: "Ich suche ein Thema, welches mir unter den Nägeln brennt und setze das dann in Sprache und Musik um."

Auch thematisch variieren die Künstler, erzählen Geschichten über Persönlichkeiten, Liebe, Familie, Politik und Gesellschaft und schlagen auch einmal selbstkritische Töne an.
Zum Abschluss des Abends kommen dann alle Musiker für ein gemeinsames Stück auf die Bühne: Le roix de cons, der König der Narren. Das Stück basiert auf einer Vorlage von Georges Brassens und wurde bereits mit Walter Liederschmitt gespielt. Für diesen Abend hat Florian Schausbreitner eine neue Version geschrieben, die sich an der aktuellen sozialen und politischen Lage orientiert und beispielsweise Donald Trump, Wladimir Putin und Angela Merkel kritisch aufs Korn nimmt. Es soll auf lustige Weise zum Nachdenken anregen.

Auch Stefan Backes nimmt bereits seit 16 Jahren regelmäßig mit der Band "Why didnt't they ask Evans" am Liedermacherabend teil. "Das ist schon ein wenig Nischenmusik hier", sagt er schmunzelnd. Es sei immer spannend zu sehen, was die anderen Gruppen machen, sich gegenseitig auszutauschen und für ein interessiertes Publikum zu spielen: "Es macht einem selbst einfach Spaß, zu sehen, was die anderen aus Musik machen."