Musikerin Erika Stucky glänzt in Trier

Jazz : Ein Konzert als Gesamtkunstwerk

Die multitalentierte Musikerin Erika Stucky glänzt in Trier mit ihrer außergewöhnlichen Kunst.

Ungewöhnlich ist schon der Auftritt von Erika Stucky am Donnerstagabend in der Trierer Tuchfabrik: Gellende Schreie, das Kratzen eines Schneeschiebers über den Boden des großen Saales und Getrommel auf Leitungen und Absperrgittern lassen die rund 50 Zuschauer zusammenzucken, während Knut Jensen mit seiner Ukulele und dem Computer einen Klangteppich legt. Schmunzeln allenthalben, als die amerikanisch-schweizerische Performance-Künstlerin über den Zuschauerraum die Bühne erklimmt.

Auch danach ist nichts wie es scheint, kaum etwas erinnert an ein normales Konzert, auch der Begriff Jazz (Mitveranstalter ist der Trierer Jazz-Club) passt eigentlich nicht. Das was Stucky und Jensen bieten, ist ein Gesamtkunstwerk aus auf den Bühnenhintergrund projizierten Bildern und Filmschnipseln, eigenwilliger Musik mit Interpretationen von Klassikern der Pop- und Rockgeschichte, Geschichten aus dem Leben der Stucky und zweier hervorragender Gesangsstimmen. Neben elektronischen Arrangements dienen dazu als einzige Instrumente ein kleines Akkordeon und vor allem die von Jensen virtuos gehandhabte Ukulele, mal zart gezupft, mal im Stile einer Fender Stratocaster gespielt.

Ping Pong heißt das Programm. „We are gonna ping pong you around the world” verspricht Stucky, sie moderiert in einem Mischmasch aus amerikanischem Englisch und Schwyzerdeutsch. Aufgewachsen ist sie in Kalifornien und einem kleinen Dorf in der Schweiz, dieser Zusammenprall der Kulturen prägt sie auch heute noch. In den 1960ern und -70ern mit Flower-Power, Muhammad Ali – dessen Großspurigkeit sie sehr bewundert – und Charles Manson aufgewachsen, verarbeitet sie ihre Erlebnisse in der Musik.

Alis großem Kampf in Kinshasa gegen George Foreman wird in einem epischen Rap gehuldigt. Einerseits gruselig und dann wiederum saukomisch ihre Episode aus der Pariser U-Bahn, als sie einem Wiedergänger des Massenmörders Manson begegnet und sie musikalisch beschreibt, welch‘ Chaos in ihrem Inneren tobt, während sie nach außen hin ganz cool zu bleiben versucht.

Natürlich haben sie auch die Beatles geprägt, ein umwerfender Hybrid aus deren psychedelischem „Across the Universe“ und Queens‘ Hymne „Bohemian Rhapsody“ sorgt für Kontemplation nach den oszillierenden Interpretationen von „Moon River“ bis „Sea of Love“. Großer Applaus des Publikums nach 90 wie im Fluge vergangenen Minuten und das Angebot: „Jetzt gehen wir einen Whisky trinken.“

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