Musikgeschichte(N)

Weil Opa krank ist, hat Oma Max mit ins Kammerkonzert genommen. Dass solche Konzerte, bei denen meistens drei bis neun Musiker spielen, so heißen, weil ihre Musik zuerst für die Privaträume , die "Kammern" von Schlössern und Bürgerhäusern geschrieben wurde, hat Oma Max schon zu Hause erklärt.

Auch, dass die Anzahl der Musiker mit lateinischen Zahlennamen bezeichnet wird. Wenn drei Musiker zusammen spielen, nennt man sie Trio, vier Musiker bilden ein Quartett, fünf ein Quintett. Heute spielt ein Quartett. Vorne auf dem Podium sitzen zwei Musiker mit je einer Geige, daneben einer mit einer Bratsche (das ist eine größere, tiefere Geige), der Vierte hält ein Cello zwischen den Knien, eine ganz große Geige, deren Klang noch tiefer ist. Die Geige beginnt mit einer Melodie. Dann folgen nacheinander die anderen Instrumente. Am Anfang ist es immer dasselbe Thema, nur dass es von jedem Instrument etwas verändert wird. Plötzlich schrillt die Geige dazwischen. Das klingt echt krass. "Komisch", denkt Max, "das klingt ja so wie bei uns zuhause, als Papa sagte: ,Ich schlage vor, wir fahren in den Ferien ans Meer. Was meint ihr?\'". Natürlich wollte jeder etwas anderes. Max\' Schwester Anna wollte lieber nach Tirol, sein Bruder Paul wollte ans Meer, aber nur mit Surfbrett. Mama war für Meer und Radfahren und Oma fragte: "Wer passt denn auf den Hund auf?" Max hat recht. Kammermusik funktioniert im Grunde genauso. Zuerst spielt - wie bei Papas Frage - ein Instrument eine Melodie oder eine Folge von Tönen. Eine Tonfolge ist nämlich auch nichts anderes als ein Gedanke oder eine Frage, nur aus Klang statt aus Worten. Jedes Instrument darf anschließend zu diesem Musik-Gedanken seine Meinung sagen. Das klingt dann mal dunkel, mal hell, mal beruhigend, mal schrill. Wie es eben ist, wenn man diskutiert. Wenn es zu bunt wird, rufen zu Hause Papa oder Mama: "Jetzt mal der Reihe nach, nicht alle durcheinander." Kammermusik ist ein spannendes Frage- und Antwortspiel von Instrumenten. Der berühmte Dichter Johann Wolfgang von Goethe hat darüber mal gesagt: "Kammermusik ist so, wie wenn sich vernünftige Leute miteinander unterhalten." Eva-Maria Reuther

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