Musikgeschichte(n)

Auf der CD singt eine Frau mit einer ganz hohen Stimme. "Mein Gott, was für eine Stimme", ruft Onkel Max begeistert.

"Als ich jung war, hatte ich einen glockenreinen Sopran", sagt Oma und wird vor Stolz ein bisschen rot. Und plötzlich sieht sie wieder ganz jung aus. Omas Sopran ist eine der Stimmlagen, in die Singstimmen eingeordnet werden. Zu welcher Stimmlage eine Stimme gehört, richtet sich nach dem Tonumfang, den sie schafft. Die vier wichtigsten Stimmlagen heißen Sopran und Alt bei Frauen und Tenor und Bass bei Männern. Sopran und Tenor sind Stimmlagen, die hohe Töne schaffen. Alt und Bass schaffen tiefe Töne und reichen nicht so weit in die oberen Tonhöhen. Sänger und Sängerinnen werden auch nach ihren Stimmlagen bezeichnet. Man sagt Frau X ist ein Sopran, Herr Y ein Bass. Die meisten Lieder, die wir im Chor singen oder die im Liederbuch stehen, kommen mit dem Tonumfang von einer Oktave aus. Eine Oktave sind acht Töne auf der Tonleiter. Dort werden nämlich die Tonhöhen angegeben. Auf der Tonleiter sitzen die Töne wie auf einer Leiter mit Sprossen im gleichen Abstand. Je höher der Ton, desto weiter oben steht er auf der Leiter. Wenn jemand die Tonleiter hinauf- oder hinuntersingt, ist das so, als ob die Stimme die Leiter hinauf- oder hinuntersteigt. Die Stimme kann die Leiter in gleich großen Schritten von einem Ton zum anderen auf- und absteigen. Sie kann aber auch halbe Schritte machen, das bedeutet in Halbtönen singen. Ausgebildete Sänger, zum Beispiel am Theater, schaffen viel mehr Töne als Leute, die nur so zum Spaß oder im Chor singen. Der Tonumfang von Berufssängern, die Solopartien singen (das sind Stücke, die einer allein singt), umfasst mindestens zwei, manchmal sogar drei Oktaven. Das ist so, als ob die Stimme auf der Leiter bis aufs Dach steigt oder hinunter in den Keller. Profi-Stimmen müssen so gut klettern können, weil die Musikstücke, die sie singen, das verlangen. Den tiefsten Ton, den eine Stimme überhaupt erreichen kann, nennt man "phonetisch null". Das heißt: nach dem Ton geht für eine Stimme gar nichts mehr. Übrigens: Musikinstrumente sind auch Stimmen. Auch sie werden nach ihren Stimmlagen sortiert. Eva-Maria Reuther