Musikgeschichte(n)

"Uff, geschafft!" Max atmet erleichtert auf und packt schnell sein Schreibzeug zusammen. Zweimal musste er die Tonleiter in seinem Notenheft neu schreiben, bis Mama zufrieden war.

"Sieht ja aus wie gestochen", lobt Mama. "Wieso gestochen?", fragt Lena. "Max hat doch mit dem Füller geschrieben." Dass man von jemandem sagt, er schreibt Noten wie gestochen, kommt aus einer Zeit, in der Noten von Hand in Druckplatten geritzt und gestempelt wurden. Die Leute, die das taten, hießen Notenstecher. Diesen Beruf gibt es schon sehr lange. Heute ist er aber selten. Ein Notenstecher überträgt die handgeschriebenen Noten aus den Manuskripten der Komponisten auf Metallplatten, damit sie auf Papier gedruckt und vervielfältigt werden können. Dafür nimmt er weiche Bleiplatten, in die sich die Noten gut "stechen" lassen. Zuerst zieht der Notenstecher mit einem Rastral - das ist eine Art fünfzackige Harke - die Notenlinien. Mit einer Nadel, dem Stichel, ritzt er dann die Taktstriche in die Platte. Außerdem muss er die Notenschlüssel und Vorzeichen einfügen. Für die Noten benutzt der Notenstecher kleine Stempel. Sie werden mit einem Hammer in die Notenlinien eingeschlagen. Bevor der Notenstecher loslegt, muss er sich das Musikstück genau anschauen und es einteilen. Zum Beispiel muss er darauf achten, dass die Noten so verteilt werden, dass die Musiker am Ende einer Doppelseite Zeit zum Umblättern haben. Ist die Platte fertig gestochen, wird sie mit Druckfarbe bestrichen, die sich in die Rillen und Vertiefungen setzt. Der Rest wird abgewischt. Die Platte wird mit Papier belegt, darüber rollt man eine Walze. Dabei drückt sich die Farbe durch, und auf dem Papier erscheinen die Noten. Notenstechen ist eine schwierige Kunst. Nicht selten braucht ein Notenstecher für ein Werk von mehreren 100 Seiten ein ganzes Jahr. Damit die Musiker sofort sehen, von welcher Art die Musik ist, werden schnelle Stücke oft enger gestochen als langsame. Seit es Computer gibt, gibt es nur noch wenige Notenstecher. Allerdings werden die Noten früherer Komponisten wie Mozart oder Beethoven noch immer von Platten gedruckt, die einst Notenstecher mit der Hand hergestellt haben. Eva-Maria Reuther