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Musikgeschichte(N)

Auch der Spielmannszug Grün-Weiß aus Pelm hat einen prächtigen Schellenbaum, der hier von Wilfried Bell getragen wird. TV-Foto: Archiv/K. Kimmling
Auch der Spielmannszug Grün-Weiß aus Pelm hat einen prächtigen Schellenbaum, der hier von Wilfried Bell getragen wird. TV-Foto: Archiv/K. Kimmling
Am Sonntag ist Weinfest. Lukas freut sich schon auf den Festzug. Eva-Maria Reuther

Besonders den Spielmannszug der Feuerwehr, bei dem Onkel Fritz trommelt, findet er ganz toll. "Onkel Friiiiitz, Onkel Friiiiitz", ruft Lukas jedes Mal aufgeregt, wenn sein Onkel vorbeigeht, und winkt wie verrückt. Aber Onkel Fritz schaut nur stramm geradeaus und passt auf, dass er mit seiner Trommel nicht aus dem Takt kommt. "Wenn du älter bist, spielst du mit deiner Querflöte da auch mit", tröstet Tante Inge Lukas. "Spielmannszüge sind schließlich nicht nur etwas Schönes, sondern auch schon sehr alt." Tante Inge ist Geschichtslehrerin und interessiert sich deshalb natürlich für alles, was früher mal war. Tatsächlich gibt es Spielmannszüge seit über 1200 Jahren. Spielmannszüge sind Musikkapellen, die beim Spielen herumlaufen. Aber nicht einfach so. Ursprünglich wurden sie überall dort eingesetzt, wo sich eine große Gruppe Menschen im gleichen Schritt bewegen musste - vor allem bei Soldaten, die marschierten. Deshalb gingen früher bei Märschen den Soldatenheeren Spielmannszüge voraus. Mit ihrer Musik gaben sie den Rhythmus an, in dem marschiert wurde. Im Manöver, wenn die Soldaten übten, gaben Spielmannszüge oft mit ihrer Musik das Zeichen zum Angriff. Spielmannszüge marschierten aber auch mit, wenn Könige oder Fürsten ihren Sieg feierten oder ihre Macht zur Schau stellen wollten. Um Signale zu geben und Marschmusik zu machen, mussten Spielmannszüge laut sein. Schließlich sollte auch der Letzte in der Truppe noch mitbekommen, wie er marschieren musste. Und ein Zeichen zum Angriff durfte man schon gar nicht überhören. Daher waren für Spielmannszüge auch nur laute Instrumente geeignet, vor allem Trommeln und Flöten, außerdem die Lyra und der Schellenbaum. Die Lyra ist ein Xylofon, das senkrecht steht und an einem Stab getragen wird. Der Schellenbaum ist ein Gestell aus Metall, an dem Glocken hängen. Er ist so etwas wie die Fahne des Spielmannzuges. Auch wenn es bei der Bundeswehr noch immer Spielmannszüge gibt: Heute haben die laufenden Musikkapellen nur noch friedliche Aufgaben. Vor allem gehen sie bei Festumzügen mit. Beliebt sind sie noch immer sehr. Nicht nur viele Feuerwehren haben Spielmannszüge. In vielen Orten musizieren sie als Verein. Es gibt für diese besonderen Kapellen sogar einen bundesweiten Wettbewerb. Ein bekannter Spielmannszug in der Region kommt übrigens aus Pelm bei Gerostein. Eva-Maria Reuther