Musikgeschichte(N)

Nico ist sauer. Eigentlich wollte er heute Abend mal wieder mit seinem Freund Bobby im Keller Musik hören.

Wenn sie dann die Musikanlage aufdrehen, und die Bässe wummern, da geht richtig was ab. Stattdessen hat Mama ihn in eine Jacke gezwängt und mit ins Konzert geschleppt. Ausgerechnet in ein Konzert mit klassischer Musik für Violine. "Ätzend", denkt Nico, "so \'ne Alte-Leute-Musik", und er gähnt schon mal im Voraus. Vorne auf der Bühne steht ein Mann mit der Geige und spielt. "Klingt gar nicht mal so schlecht", muss Nico zugeben, "und auch noch ziemlich laut". Hätte er nicht gedacht. "Wo hat der Mann denn seinen Verstärker und wie kommen überhaupt die Töne aus der Geige?", fragt Nico verwundert. Eine Geige braucht keinen elektrischen Verstärker, erklärt ihm Mama. Der Verstärker der Geige ist ihr Resonanzkörper. Das ist der Geigenkasten aus Holz. Wenn der Geiger mit seinem Bogen über die Saiten streicht, oder mit den Fingern an ihnen zupft, entsteht ein Ton, der im Geigenkasten widerhallt und dort verstärkt wird. Damit die Töne nach draußen können und gehört werden, haben die Geigen Schalllöcher. Bei Geigen befinden sich die Schalllöcher links und rechts vom Steg. Das ist das kleine aufrechtstehende Brett, über das die Saiten gespannt sind. Die Form und Größe der Schalllöcher sind wichtig für den Klang eines Tones. Zur Erinnerung: Töne sind eigentlich Wellen aus Schall. Die Form des Schalllochs entscheidet, welche Wellen aus dem Geigenkörper nach außen dringen können und was an Klang beim Zuhörer ankommt. Aus einem schmalen Schallloch klingt der Ton anders als aus einem breiten. Ein Schallloch, dessen Öffnung wie eine geschwungene Linie aussieht, lässt andere Töne nach draußen als eines, das die Form eines geraden Spaltes hat. Das ist so ähnlich, wie bei einem offenen Fenster, hinter dem jemand Musik macht. Ist das Fenster nur einen Spalt offen, dringt weniger Musik heraus als bei einem sperrangelweit geöffneten. Bei heutigen Geigen sehen die Schalllöcher aus wie ein altes "f" nur ohne Mittelstrich. Ganz früher gab es auch Öffnungen, die wie ein "c" geformt waren. So wie bei den Geigen entsteht der Klang übrigens bei allen Saiteninstrumenten - zum Beispiel auch bei der Gitarre. Ihre Schalllöcher sind besonders interessant. Sie sehen aus wie runde Löcher, manchmal sogar wie Herzen. Damit in die großen Öffnungen kein Schmutz gerät, werden sie mit Gittern geschützt, die oft kunstvoll geschnitzt und verziert sind. Eva-Maria Reuther