Musikkolumne: Reichlich internationale Künstler in der Region

Musik : Die gute, alte Zukunft landet im Gelben Sack

In der Musikkolumne geht’s um ein limitiertes Mahatma-Hitler-Tape und um viele Bands, die im Juni in der Region Trier aufschlagen werden.

Vor ein paar Tagen auf dem Exhaus-Flohmarkt: Die Preziose kostet gerade mal zwei Euro, ist streng limitiert und enthält zeitlose Klassiker wie „Dem Jeremy sein’ Gang“, „Drive-by-Shooting an der Treveris“ und „Zack, bumm, freckt“. Direkt mitgenommen, keine Frage. Es ärgert mich allerdings schon, dass ich die Hitsammlung der lustigsten Trierer Hip-Hop-Crew ever, Mahatma Hitler, noch nicht hören konnte. Schließlich handelt es sich um eine Musikkassette – und mein einziges Abspielgerät ist ein schwer eiernder, bandfressender Sony Walkman, geschätzt aus dem Jahr 1985. Zu riskant für die Rarität. Nummer 44 (von 50), wie das Booklet verspricht, soll überleben.

Tapes feierten zwischendurch eine kleine Renaissance – wenn auch längst nicht so stark wie Vinyl-Alben, die ihre Nische ganz gut behaupten. Schwer verknallt ein Mixtape zu basteln (oder zu bekommen), ist wohl immer noch eine der schönsten Liebeserklärungen. Aber so richtig praktisch ist die Kassette eben nicht. Und CDs – in meiner Kindheit noch der Inbegriff der digitalen Zukunft – fühlen sich längst nach altem Medium ohne jeden Retro-Charme an. Das viele, viele Plastiksilber, das nur noch alle paar Jahre in den Händen landet: beim Umzug in eine neue Wohnung. Die Kisten ohne Zukunft, dem Gelben Sack geweiht. Das gilt auch schon, sackfrei, für indirekte Nachfolger: Auch die Apple-Software iTunes soll 18 Jahre nach ihrer Einführung vor dem Aus stehen.

Was bleibt? Streaming kommt von der Qualität zwar nicht an CDs oder Vinyl ran, ist aber bequemer – trotz allem, was man daran ablehnen kann, vor allem was die Künstlerhonorierung betrifft. Aber Spotify und Deezer kennen Jeremys Gang und seine Erfinder nicht. Es muss nicht immer alles überall verfügbar sein, sonst wird es bedeutungslos. Und das ist im Leben und in der Musik nie gut.

Was unabhängig von der Wahl des Mediums gilt, damals wie heute: Live ist immer am besten. Vielleicht nicht vom Sound, aber vom Gefühl her. Der Juni ist dabei nicht nur für Fans der großen Festivals wie Rock am Ring (siehe oben) ein Ausnahme-Monat: Egal, ob drinnen oder draußen – es gibt jede Menge Möglichkeiten, internationale Künstler in der Region zu erleben: Am Dienstag, 5. Juni, zum Beispiel Bon Iver in der Rockhal Esch.

Bei Porta3 legt Veranstalter Popp Concerts großen Wert auf ein möglichst vielseitiges Programm – in diesem Jahr ist die Reihe vor der Porta Nigra so international wie nie. Den Auftakt am 19. Juni gibt’s von der legendären australischen Rockband Midnight Oil (Support: Wolf Maahn), an den weiteren Tagen spielen Flogging Molly (Folk-Punk mit irischem Einschlag, 20. Juni), Singer-Songwriter Tom Odell („Another Love“, 21. Juni), Samy Deluxe (22. Juni) und zum Abschluss am 23. Juni das Picknickkonzert „Gefährliche Liebschaften“ (Eintritt frei).

In Luxemburg geht’s mit großen Namen durch die letzten Jahrzehnte. Vom gewaltigen Synthpop der 80er von Tears for Fears (Everybody Wants to Rule the World, Shout, Mad World – am 25. Juni in der Abtei Neumünster). Am gleichen Tag spielt in Esch/Alzette ein anderer Musiker, der ebenfalls in den 80ern zum Star wurde, die Schnittmenge zwischen beiden Fanlagern dürfte aber überschaubar sein: Slash feat. Myles Kennedy & the Conspirators kommen bei seinen Shows weitgehend ohne Guns n’ Roses-Material aus. US-Musiker Ben Harper ist seit den 90ern erfolgreich (12. Juni, Rockhal), ebenso die Prog-Metaller Dream Theater (17. Juni) Von den Südafrikanern von Die Antwoord um Ninja und Yolandi Visser ist eine schweißtreibende Show zu erwarten – egal, wie die Temperaturen außerhalb der Rockhal sein werden (11. Juni).

Vom Ambiente her gehört das Siren’s Call zu den schönsten Festivals weit und breit: Die 3. Auflage findet am Samstag, 29. Juni, wieder an mehreren Plätzen rund um die Abtei Neumünster statt. In diesem Jahr spielen unter anderem Metronomy, Cat Power und Band of Horses.

Auch das Freilichtmuseum Roscheider Hof in Konz wird im Juni für ein Wochenende zur Bühne für internationale Künstler: Die New Yorker Blues/Roots-Band Hazmat Modine ist dann wieder in Region zu Gast (14. Juni). Für Jazz der Spitzenklasse steht das Tingvall Trio um den schwedischen Pianisten Martin Tingvall (15. Juni).

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