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Musiktheater ist keine Zauberei

Musiktheater ist keine Zauberei

Was ist eine Oper? Das ist das, wo alle singen. Aber was passiert da sonst noch auf, unter, über und hinter der Bühne? Das fragt sich Hexe Hillary. Und wer das wissen möchte, sollte mit ihr in die Oper gehen.

"Abra-Dingsbums Hotzenplotz, Simsalabim und Nasenrotz", ruft Hillary, "Schweinebacke, Hokuspokus, herbei mit dir an diesen Lokus!" Es regnet vom Bühnenhimmel. "Ich hab' den Donner vergessen", sagt die Hexe, schnappt sich ein Stahlblech. Schnell dreht sie sich, wirbelt ein Stahlblech herum. Und tatsächlich: Donnergrollen erfüllt den Raum, dazu Lichtblitze - da kann es einem angst und bange werden.Für Kinder



Da hebt sich ein Teil der Bühne empor und gibt den Blick auf eine Badewanne frei. Darin sitzt eine dicke Frau: die berühmte Hexe und Sängerin Maria Bellacanta. Hillary, die Tänzerin, hat sie gerade herbeigehext.
Maria heißt eigentlich Frauke Burg, und die ist Opernsängerin am Theater Trier. Doch für das Stück "Hexe Hillary geht in die Oper" von Peter Lund (Regie Heidi Sommer) im neuen Kinderstudio des Theaters Trier ist sie nun nicht nur in die Rolle der Maria, sondern - sehr zur Freude der Kinder - gleich noch in ein besonderes Kostüm geschlüpft: einen Fettanzug. Der macht aus der schlanken Frauke eine dicke Maria.Oper spielt mit Gefühlen


Und die soll jetzt Hillary, gespielt von der Tänzerin Mareike Franz, erklären, was eine Oper ist. Denn diese hat zwei Karten für die Oper geschenkt bekommen. Mit piepsiger singender Stimme erklärt Maria, dass in der Oper alle immer singen. "Ihr seid bekloppt", meint Hillary - die gut 30 Kinder und ihre Eltern, die rund um die Bühne sitzen, lachen.
Eine Oper erzähle eine Geschichte, sagt Maria. Etwa die von "Hänsel und Gretel", sagts, schnappt sich Hillary, singt "…, einmal hin, einmal her, rundherum, es ist nicht schwer" und tanzt mit ihr herum. Oper kann lustig sein.
Plötzlich ertönt eine dunkle Stimme - die böse Hexe. Nebel steigt vom Bühnenboden auf. "Oper kann gruselig sein", sagt Maria. Hillary und die Kinder nicken zustimmend.
Und Oper kann traurig sein. In Marias Lieblingsoper "Die Zauberflöte" gibt es eine Stelle, in der ein junger Mann, Tamino, nicht sprechen darf. Seine Freundin, Pamina, ist darüber sehr betrübt. Sie besingt das in der Arie - so heißen in der Oper die Lieder - "Ach, ich fühl's", die Maria mit ganz trauriger Stimme anstimmt. Doch halt, so ganz ohne Begleitung "fühlt sich das nicht richtig an". Und weil sonst kein Instrument zur Hand ist, trommeln die Zuschauer den Takt auf ihren Sitzen.
Um so kunstvoll singen zu können, muss Maria alias Frauke ihre Stimme "wärmen", so wie Hillary ihre Muskeln aufwärmen muss, bevor sie lostanzt. "La, la!" Maria/Frauke räuspert sich. "Maaa, maaa!" Hohe Töne, tiefe Töne, immer abwechselnd. Klingt irgendwie komisch, was sie da vor sich hinträllert. Fast so wie wenn Papa unter der Dusche singt, nur sind die Töne hier viel höher.
Und Oper kann bedrohlich sein. In der "Zauberflöte" gibt es eine Stelle, in der Paminas Mutter, die Königin der Nacht, ganz zornig ist: "Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen" ist der Titel ihrer Arie. Bevor sie loslegt, setzt Hillary Maria eine Strahlenkrone auf und zieht ihr einen dunkelblauen Rock an, der die gesamte Bühne bedeckt. Eindruckvoll das Bild - und der Gesang. Die spitzen hohen Töne klingen wie Wutschreie. Diesmal unterstützt Malte Kühn die Sängerin am Klavier.
Geheimnisse der Bühne lüften
Doch "Hillary geht in die Oper" ist mehr als Tanz und Gesang. Spannend etwa wird's beim Rätsel "Wer bin ich?". Und ganz nebenbei erklärt das Stück auch, wie sich eine Bühne dreht, wie urplötzlich Menschen aus dem Bühnenboden auftauchen, wie sich die Darsteller verwandeln, wie sich Kulissen ändern und woher der Schnee im Theater kommt.
Nach fast einer Stunde wissen die Kinder, was Oper ist und wie sie funktioniert. Aber auch, dass Opernsängerinnen nicht nur singen, sondern auch gut schauspielen und tanzen können. Und Tänzerinnen beherrschen nicht nur den Tanz, sondern schauspielen und singen. Vielleicht hat es bei dem einen oder anderen Kind auch den Wunsch geweckt, auch mal in die Oper zu gehen. Dazu ist in der nächsten Spielzeit Gelegenheit. Denn dann gibt es drei märchenhafte Kinderopern im Studio zu sehen. Und auch Hillary geht wieder in die Oper.
Weitere Vorstellungen: 12., 25. Juni, 2. Juli, 16 Uhr; 26. Juni, 11 Uhr; 7., 9. 14., 15., 21., 24., 28. Juni und 1. Juli, 10 Uhr. Karten: 5 Euro, Theaterkasse.