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Musiziergenuss, beinahe ohne Reue

Musiziergenuss, beinahe ohne Reue

TRIER. Bläsergruppen, Gesang und Klavier - in diesen Fächern fand am vergangenen Wochenende der Regionalwettbewerb "Jugend musiziert" statt. Oft auf enorm hohen Niveau.

Wer den Trierer Regional-Wettbewerb "Jugend musiziert" am Wochenende lückenlos verfolgen wollte, müsste sich klonen lassen. 37 Bläserensembles mit insgesamt 107 Spielern, 13 Sängerinnen oder Sänger und 26 Wettbewerbsteilnehmer im Fach Klavier, macht zusammen 146 Teilnehmer - da führte im Pfalzeler Schulzentrum kein Weg an der Zweigleisigkeit vorbei. So praktizierte es Wettbewerbsleiter Hans-Dieter Höllen. An Interesse mangelte es nicht.Tägliches Üben, eine Selbstverständlichkeit

Wer am Regionalwettbewerb teilnehmen will, muss seine Zeit planen und seine Kräfte bündeln. Das bedeutet für die Kinder und Jugendlichen: jahrelanger Unterricht, Monate der Vorbereitung, tägliches Üben, Verzicht auf andere Hobbies. Es bedeutet für die Eltern: Hilfe in Krisenzeiten, oft "Fahrdienste" und fühlbare finanzielle Aufwendungen. Trotzdem ist der Erfolg keineswegs garantiert. Er hängt von vielen Faktoren ab: Begabung, Begeisterung, Ausdauer, der richtige Lehrer und auch Belastbarkeit beim Auftritt. Das sind 15 oder auch 20 Minuten Lampenfieber, Stress, vielleicht auch Angst. Manche trauen sich kaum, ihren Namen zu nennen. Andere vertiefen sich in die Musik und blenden alles andere aus. Dass jemand seinen Liedtext vergisst , wen wundert's? Und ganz hinten sitzt die Jury, spitzt die Ohren und die Stifte ebenfalls. Wird im Wettbewerb nur das technische Können bewertet? Künstlerische Beurteilungen sind immer gemixt aus technischen Beobachtungen und musikalischer Analyse. Wenn allerdings die Intonation nicht stimmt oder falsche Töne auf das Konto fehlerhafter Technik gehen, dann kann kein erster Preis winken. Und wenn Teilnehmer scheinbar brillieren und die Genauigkeit im Detail fehlt, wird der Hinweis auf die Musikalität zur Ausrede. Das betraf in diesem Wettbewerb manche Bläserformation. Bei den Flöten-, Klarinetten- und Trompeten-Ensembles standen preiswürdige Leistungen neben Ausfällen. Im Bereich Gesang wird die künstlerische Entfaltung durch das Alter der Beteiligten begrenzt. Trotzdem gab es vor allem in der höchsten Altersgruppe erfreuliche Ergebnisse. Die Pianisten dagegen musizieren fast durchweg auf einem enorm hohen Niveau, technisch und auch musikalisch. Beethoven-Sonatensätze, Chopin-Balladen, Prokofjew und Rachmaninow, aber auch Aaron Copland und Hermann Schroeder - ein Genuss ohne Reue. Trat also in der Aula des Schulzentrums die künftige Pianisten-Elite der Republik an? Wohl kaum. Wer einen ersten Preis und die Teilnahme am Landeswettbewerb errungen hat, muss sich in Mainz am 12. und 13. März einer verschärften Konkurrenz stellen - Trier ist nur eine von sieben Wettbewerbsregionen im Bundesland. Dann steht der Bundeswettbewerb an. Aber selbst ein Preis in der Endausscheidung ist kein Freibrief zur Musikerkarriere. Der Weg zum klingenden Erfolg wird lang und steinig. Das Preisträgerkonzert findet statt am Sonntag, 6. März, 16 Uhr in der Synagoge Wittlich. Folgende Teilnehmer haben sich qualifiziert: Klavier: Virginia Boie, Christina Ionescu, Thanh Son Nguyen, Larissa Boie, Ye Hyun Hwang, Eryk Baden und Ye-Young Hwang; Gesang: Kerstin Bauer, Natalia Drosdowa, Friederike Springer und David Ziegler; Bläser: Lena Birtel/Juliane Funk/Jana Backes, Judith Piroth/Joana Thielen, Stefan Bieck/Jonas Witschier/Lina Alirezania, Julia Moos/Katrin Hagen/Julia Hansen, Alexander Wollscheid/Lena Müller-Kluge/Franziska Embach, Elnaz Salehi/Hendrik Schmitz. hpl/noWeitere Ergebnisse: