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My Urban Piano in Trier mit 12 bunten Klavieren in der Innenstadt

My Urban Piano : Ein Klavier, ein Klavier …

Eine Stadt voller Töne: My Urban Piano bringt Trier bis zum 27. September zum Klingen.

Die Stadt: Rappelvoll mit Einheimischen und Touristen. Das Wetter: Sommerlich, südlich, siedend heiß. Beste Voraussetzungen, sollte man meinen, für begeisterte Hobbypianisten, open air in die Tasten zu greifen und Zuhörer um sich zu scharen.

Da stehen sie nun, die Instrumente, von der Tufa bis zur Porta und jenseits davon am Broadway Filmtheater. Doch weit und breit keine Pianisten. Zumindest nicht am Samstagnachmittag. Dabei heißt es doch verheißungsvoll auf der Homepage und im Flyer: „12 bunt gestaltete Pianos – frisch gestimmt und einsatzbereit – im Trierer Stadtgebiet frei zugänglich und für jedermann spielbar aufgestellt.“ Nun, aufgestellt sind sie und  prächtig gestaltet ebenfalls. Ein bisschen suchen muss man bisweilen im trubeligen Shopping- und Flanierbetrieb, ehe man die Instrumente entdeckt. Viele sind verhüllt und machen nicht gerade einen spielbereiten Eindruck. An diesem menschenvollen Nachmittag treffen wir gerade einmal drei Klavierspieler(innen) an, eine Dame und zwei Herren. Nichts ist stiller als ein stummes Klavier, vor allem, wenn ringsumher quirliges Stimmengewirr herrscht. Das verstummt zumindest um ein paar Dezibel, als sich ein junger Mann an das Beethoven-Piano vorm Modehaus Marx setzt, das von Schülerinnen der Blandine-Merten-Realschule gestaltet wurde inklusive der ersten neun Noten, die der Bonner „Für Elise“ zu Papier gebracht hat, seinem Ausspruch „Wahre Kunst bleibt unvergänglich“ und natürlich dem wirren Haarschopf des Meisters selbst.

Glück hat der ziellose Flaneur auch am Hauptmarkt, wo ein Mann mit Hut Elton Johns „Your Song“ („How wonderful life is while you‘re in the world“) intoniert. Kaum erhebt er sich vom Pianohocker, greift eine Frau zu Desinfektionsspray und  Wischlappen und reinigt sorgfältig alle 88 Tasten, ehe sie selbst Platz nimmt und das Menuett G-Dur aus dem „Notenbüchlein der Anna Magdalena Bach“ intoniert. Die umstehenden Zuhörer, die meisten brav mit Abstand, klatschen freundlich. Dieses Piano wurde übrigens blumenreich von Siegfried Poschmann, Bewohner der Vereinten Hospitien, gestaltet.

Das war‘s dann allerdings an akustischen Kostproben in diesem Zeitraum am dritten Tag der von der Kulturkarawane organisierten Veranstaltung. Vielleicht liegt‘s an der Notiz, die auf jedes (fest verschlossene) Piano angebracht ist, mit der dieses höchstselbst mitteilt: „Liebe Piano-FreundInnen, aufgrund der aktuellen COVID 19 Verordnung kann ich leider nicht dauerhaft geöffnet sein.“ Und das ist dann auch der Grund, warum die Spielzeiten auf wenige Stunden begrenzt sind, wie der Blick auf die Homepage myurbanpianotrier.de [Link auf http://kultur-karawane.de/projekte/my-urban-piano-trier.html]verrät. Die „Spielzeiten der Pianos“ an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten auf eine, maximal zwei Stunden begrenzt. Eigentlich schade bei dem spätsommerlichen Wetter, das für die nächsten Tage vorausgesagt ist, sind das doch beste Voraussetzungen für Amateur-Open-Airs. Also, Klavierspieler aller Länder:

Bewerben, Mitmachen, Applaus kassieren!

 Ein von Johannes Kolz gestaltetes Klavier
Ein von Johannes Kolz gestaltetes Klavier Foto: TV/Rainer Nolden
 Eins der Klaviere im Rahmen von Urban Piano in Trier
Eins der Klaviere im Rahmen von Urban Piano in Trier Foto: TV/Rainer Nolden
 Urban Piano
Urban Piano Foto: TV/Rainer Nolden

Die täglich aktualisierten Spielmöglichkeiten kann man unter www.myurbanpianotrier.de bzw. #myurbanpianotrier einsehen. Dort sind auch die 24 Veranstaltungen aufgelistet, die im Laufe der kommenden Tage von Profi-Musiker(inne)n gestaltet werden. Weitere Konzerte finden auf dem Domfreihof statt. Nach dem erfolgreichen Auftakt mit Tobias Schmitz, EINS) geht es am Freitag, 18. September, um 19 Uhr weiter mit Lavalu und am Samstag, 26. September, um 19 Uhr mit David Ianni.