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My urban piano Trier: 12 Klaviere vom 11. bis 27. September in der Stadt

My urban piano Trier : Tausend Tasten bringen die Stadt zum Klingen

Wundern Sie sich nicht, wenn Sie an diversen Plätzen mitten in der Stadt ein Klavier stehen sehen! Sie dürfen sich setzen und einfach losspielen. „My urban piano Trier“ bietet vom 11. bis 27. September einige Überraschungen.

Im Bahnhof von Marseille, der Metropole am Mittelmeer, steht ein Klavier an einer Wand. Davor drängeln sich Menschen auf dem Weg zu ihren Reiseanschlüssen oder verpflegen sich schnell gegenüber in der McDonalds-Filiale. Doch wenn sich jemand ans Piano setzt, ob mit einem Pop-Song oder einem Stück von Chopin, hebt sich im Gedränge die Stimmung, huscht dem einen oder anderen ein Lächeln übers Gesicht und veranlasst gar manchen, eine Weile stehen zu bleiben und zuzuhören. Jeder Passant ist eingeladen, das Instrument zu bespielen, auch ein Kind, das einfach nur mal draufhauen möchte.

Auch in Paris, im Gare du Nord, steht ein Klavier, das sogar einen Film inspiriert hat. Und in Luxemburg laden seit einigen Jahren zu bestimmten Zeiten gleich mehrere Klaviere, verteilt über die Stadt, Menschen zum Musizieren und Zuhören ein. „Die Idee ist so schön, dass wir wünschten, es wäre unsere eigene“, sagt Jochen Leuf, Geschäftsführer der gemeinnützigen Kulturkarawane in Trier, die ein solches Projekt nun an die Mosel bringt. In Luxemburg haben Leuf und sein Team geschaut, wie so etwas möglich ist und können sich – aber das ist Zukunftsmusik – vorstellen, eines Tages mit Orten jenseits der Grenzen zu kooperieren.

Bei „My urban piano Trier“ laden 12 Klaviere, verteilt über die Innenstadt, an 17 Tagen (11. bis 27. September) zum Spielen und Hören ein. Jeder, der will, kann sich an den Tasten austoben – ob mit „Flohwalzer“, Schlagern oder Etuden. „Das Piano ist immer noch ein Hochkultur-Instrument“, erläutert Jochen Leuf. Die Idee des „Urban-Piano“-Projekts sei es dagegen, „dass jeder hier spielen darf und einen Beitrag zu Musik im öffentlichen Raum leistet“.

Nebenbei soll „My urban piano Trier“ das urbane Leben in der Stadt beflügeln – ein Anliegen, das Einzelhandel und Gastronomie gerade besonders nötig haben.

Bunt soll nicht nur das Publikum sein, das die Kulturmacher ansprechen, sondern auch das Instrument selbst. Alle Klaviere wurden optisch gestaltet, nachdem das Pianohaus Hübner, Initiator des Projekts, sie gestimmt hatte – von Kita- oder Schulkindern, einer Jugendeinrichtung oder etablierten Künstlern. Galerist Laas Koehler zum Beispiel hat, so erzählt es Leuf, das Instrument auseinandergebaut und Einzelteile zur Gestaltung an Künstler in Luxemburg, Frankreich und Schottland geschickt.

Damit sich auch wirklich Menschen an die Tasten trauen, die nicht Beethovens „Mondscheinsonate“ vorspielen können, haben die Veranstalter Musikschulen angeschrieben und bieten ihnen an, kurze Unterrichtssequenzen zu halten, für die sich Interessenten melden können. Und zu den drei Konzerten, die während des Projekts unter den Platanen am Domfreihof geplant sind, bietet die Kulturkarawane Solidaritätspreise an – je nach Geldbeutel können die Besucher unterschiedlich teure Tickets kaufen. Dass überhaupt Tickets zu den Konzerten verkauft werden, ist ein Tribut an Corona. Um das lange vor Ausbruch der Pandemie vorbereitete Festival zu retten, müssen viele Hygieneauflagen eingehalten werde, so Leuf. Deshalb ist fürs Musizieren auch eine Anmeldung auf der Homepage nötig. Paten betreuen auch einzelne Orte. Hilfe von Freiwilligen sei dabei sehr willkommen.

 Auch kleine Künstler aus der Lebenshilfe-Kita am Bach machen mit bei „My urban piano Trier“ und haben ein Instrument gestaltet.
Auch kleine Künstler aus der Lebenshilfe-Kita am Bach machen mit bei „My urban piano Trier“ und haben ein Instrument gestaltet. Foto: Kulturkarawane Trier/19.08.2020
 Im Bahnhof Marseille lädt ein Klavier zum Spielen ein.
Im Bahnhof Marseille lädt ein Klavier zum Spielen ein. Foto: Anne Heucher / privat

Infos: www.myurbanpianotrier.de