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Nach allen Seiten austariert

Nach allen Seiten austariert

Der Musikkreis Wittlich setzt in seinem neuen Saisonprogramm weiter auf Bewährtes und Hochwertiges.

Wittlich Die drei Herren im provisorischen Büro wirken nicht gerade unterbeschäftigt. Aber trotz aller beruflichen und vielleicht auch privaten Beanspruchung - sie haben sich einer Passion verschrieben, die anstrengend ist, aber im Ergebnis schöner kaum sein kann. Sebastian Langner, Andres Scholtes und Ulrich Junk vom Musikkreis Wittlich brennen für die Aufgabe, die sie gemeinsam mit drei Kolleginnen, Alexa Spielmann-Sips, Sabine Theunert, Vita Kneip, von der Stadt übernommen haben: in Wittlich hochrangige Kammermusik zu veranstalten und Chorkonzerte.
Im Jahr 1993 beschloss die Stadtverwaltung, die Wittlicher Konzerte nicht mehr im Rathaus zu verwalten, sondern dies auf einen Verein mit dem offiziösen Titel "Musikkreis der Stadt Wittlich" zu übertragen. Damit ging bei einem für Kulturverhältnisse bescheidenen Zuschuss von jetzt 16 000 Euro die gesamte Konzert-Organisation über in private Hand.
Die sechs Vorstandsmitglieder stehen gemeinsam ein für den künstlerischen Erfolg und die finanzielle Deckung. Und haben dabei das zuweilen zweifelhafte Vergnügen, alles Mögliche unter einen Hut zu bringen - künstlerische Ambition und Publikumswirkung, die Präferenzen der Besucher, Ausgleich im Generationenkonflikt, der sich im Desinteresse junger Menschen an Kammermusik niederschlägt. Hochwertig sollen die Veranstaltungen sein - und dazu möglichst preiswert. Und für die Preisträger der Region soll der Musikkreis selbstverständlich auch ein Herz haben. Außerhalb des Abonnements und ausdrücklich für Mitglieder und Unterstützer des Musikkreises findet am 16. September, 19 Uhr, in der Synagoge ein Preisträgerkonzert statt - eine Vorstellungsrunde für die Begabtesten der Region. Auch die "Musik bei Kerzenschein", traditionell am 2. Weihnachtstag, ist für den Musikkreis eine sichere Bank. In diesem Jahr gastieren das Flötenensemble "Flautando" aus Köln und Moderator Burkhard Schmeer im stilvollen Ambiente der Wittlicher Synagoge und signalisieren mit dem Titel "Erna, der Baum nadelt", dass eine Portion Humor der Feststimmung sicherlich nicht schadet. Der Kern des Wittlicher Programms besteht aus fünf Konzerten. Sie sind zugleich eine Art Test auf die Kunst der Veranstalter, ihr Programm nach allen Seiten auszutarieren. Moderne Musik jedenfalls würde erfahrungsgemäß die Synagoge halbleer lassen und wird deswegen nur in homöopathischer Dosierung verabreicht. Immerhin bietet das Aris-Quartett (21. Oktober) neben Haydn und Beethovens spätem Opus 131 auch Anton Weberns Streichquartett-Sätze op. 5 von 1909. Das Berlin Piano Quartet (am 20. Januar 2018) hat neben Mozarts Klavierquartett KV 478 und Schumanns Es-Dur-Quartett op. 47 Gustav Mahlers Quartettsatz a-Moll von 1876 im Programm. Und für alle Anhänger sanfter Klänge kommen die "Zarten Saiten" mit Sopranistin Meike Leluschko und Jenny Meyer an der zurzeit sehr populären Harfe ganz sicher recht (3. März). Zwei Konzerte finden in Zusammenarbeit mit der "Villa Musica" statt. Pianistin Ragna Schirmer und die "Villa Musica"-Stipendiaten locken mit Clara Schumanns Klaviertrio op. 17, dem Klavierquintett von Alfred Schnittke und Dvoraks Klavierquartett A-Dur (10. November). Und das Jerusalem-Streichquartett hat neben Dvoraks bekanntem Quartett op. 106 immerhin Janacek und den bedeutenden Erwin Schulhoff (1894-1942) im Programm (21. April 2018).
40 Abonnenten bekennen sich zur Wittlicher Musikkultur. Auch dieses Abo-System leidet unter der zunehmenden Bindungsscheu junger Menschen. Aber der Optimismus, mit dem der Vorstand vor drei Jahren an die Arbeit ging, hat sich nicht verloren. Es gebe in Wittlich für den Besuch von Kammerkonzerten ein "gutes Potenzial", betont Vorsitzender Sebastian Langner: "Auch in der Konzert-Branche hat der Musikkreis Wittlich einen guten Ruf."
Extra: DAS PROGRAMM 2017/18


21. Oktober: Aris-Quartett / 10. November: Ragna Schirmer und Stipendiaten der Villa Musica / 26. Dezember: Musik bei Kerzenschein mit dem Ensemble Flautando Köln / 20. Januar: Berlin Piano Quartet / 3. März: "Zarte Saiten" mit Meike Leluschko, Sopran, und Jenny Meyer, Harfe / 21. April: Jerusalem Quartet