Nach Prüm der Kunst wegen

Nach Prüm der Kunst wegen

Einmal mehr ist Prüm Kunstort: Zum 54. Mal hat am Samstag die Jahresausstellung der Europäischen Vereinigung Bildender Künstler aus Eifel und Ardennen im ehemaligen Abteigebäude ihre Tore geöffnet. Die Begeisterung für den grenzüberschreitenden Kunstaustausch ist groß, wie die Menge der Teilnehmer belegt.

Prüm. Zum Abschied sprach er Dank: Zum letzten Mal hat Dieter Alexander Boeminghaus gemeinsam mit Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy die Jahresausstellung der Europäischen Vereinigung Bildender Künstler aus Eifel und Ardennen in Prüm eröffnet. Der Architekturprofessor aus Monschau, der 19 Jahre lang Präsident der Kunstvereinigung war, wenn er im Herbst sein Amt niederlegt, ist zudem Kaiser-Lothar-Preisträger 2011 der Stadt Prüm. Boeminghaus habe ein leidenschaftliches Verhältnis zur Kunst, bescheinigte ihm sein Laudator Hans-Wolfgang Menges (Künstlername: SPELL), neben einer "sympathisch, kreativ-chaotischen Begabung". Als überzeugter Europäer habe er sich selbstlos für die Fortentwicklung der grenzüberschreitenden Vereinigung eingesetzt.
Die beurteilt der scheidende Präsident positiv. Ihm sei es immer das Wichtigste gewesen, die Vereinigung so zu gestalten, dass sie aus eigener Kraft Bestand habe. "Das macht Freude." Dass der über 50 Jahre alte Verein weiterhin lebendig ist und, wie Stadtchefin Weinandy zur Eröffnung sagte, "tiefe Wurzeln in Prüm geschlagen hat", belegt die diesjährige Beteiligung. Rund 150 Künstler präsentieren ihre Werke aus Malerei, Grafik, Fotografie, Bildhauerei und Objektkunst.
Schon beim ersten Rundgang wird klar, dass auch diesmal der grenzüberschreitende Austausch im Vordergrund steht. Das Miteinander geht vor künstlerische Trennschärfe. Im Übrigen besteht hier der Fortschritt eher in der Rückschau. Die klassischen Positionen sind weithin die überzeugenderen, so wie Johannes Donners eindrucksvolles informelles Gemälde "Le Coulet", das leider recht beiläufig hängt. Interessant sind auch die Bodenbetrachtungen des Fotografen Janosch Hübler, Marilyse Permantiers grafische Arbeit "Gezeiten" oder der poetische "Maar-Morgen" der Trierer Malerin Margit Eberhard. Bodo Buchmanns "Hybrides Kalb" (halb Kuh, halb Kalb), das offensichtlich im Markttrend Sekt statt Milch produziert, hat zumindest einen aktuellen Bezug zur regionalen Milchwirtschaft.
Seit einigen Jahren hat sich der Festsaal der einstigen Abtei zum Ehrenhof für den jeweiligen Kaiser-Lothar-Preisträger entwickelt. Diesmal steht hier eines von Boeminghaus\' kulturellen Feldzeichen, eine Assemblage aus Leiter, verrostetem Werkzeug und Sägeblatt. Die Arbeit, die auf den Dialog mit der Natur angewiesen ist, wirkt fremd im zivilisierten barocken Ambiente.
Alles in allem ist die künstlerische Ausbeute der Ausstellung eher dünn, manches schmeckt arg nach Fast Food oder Design, so wie das Menschennetz des Förderpreisträgers Didier Gehlen. Die mit 1500 Euro dotierte Auszeichnung überreichte Gregor Gell von der Kreissparkasse Bitburg-Prüm, die den Preis alljährlich stiftet. er
Die Ausstellung ist bis zum 31. Juli im Abteigebäude Prüm täglich von 9.30 bis 18 Uhr geöffnet. Am letzten Tag schließt sie bereits um 15 Uhr.

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