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Nachnamen von Trier: AnniKa von Trier, Lars von Trier, Ton van Trier

Nicht nur eine Stadt : Trier als Nachname - Wo auf der Welt der Name vertreten ist

Was verbindet die Stadt Trier mit Menschen, die diesen Familiennamen tragen? Eine Spurensuche unter prominenten und weniger prominenten Urahnen und Zeitgenossen.

Nomen est omen – der Name ist ein Zeichen. Manchmal trifft das sogar zu. Wenn jemand mit dem Namen „Geldmacher“ ins Bankengeschäft einsteigt, ein „Brotmacher“ Bäcker oder ein „Grabe“ Bestatter wird – wer weiß, welche Schicksalsmächte da ihre Finger im Spiel hatten. Meistens ist es jedoch Zufall. Wie auch bei all jenen Menschen, die den Nachnamen „der Hauptstadt des Regierungsbezirks der preußischen Rheinprovinz mit 79.300 Ew., am rechten Ufer der schiffbaren Mosel, 123 ü. M., wichtiger Bahnknoten und berühmter Handelsplatz für Mosel-, Saar- und Ruwerweine (…); Industrie, Zigaretten (Haus Neuerburg), Lederwaren, Brauerei, Walzwerk …“ tragen.

Hier geht es, der aufmerksame Leser wird es längst erkannt haben, um Trier in einer Beschreibung des (mittlerweile nicht mehr ganz so) „Neuen Brockhaus von 1938“. Aber nicht nur die Stadt wird so genannt, sondern auch viele Familien tragen den Namen; allein Wikipedia weist 23 Menschen vom frühen 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart auf (siehe Info-Kasten). Und wenn eben vom Zufall der Namensgebung und Berufsfindung die Rede war, so trifft es zumindest in einem Fall nicht zu: die Liedermacherin, Musikerin und Schriftstellerin Annika Krump, Jahrgang 1970, Wohnort Berlin, nennt sich in nostalgischer Verbundenheit zu ihrem Geburtsort seit 2014 „AnniKa von Trier“.

Damit steht sie nicht allein; ein Adelsprädikat quasi durch die Hintertür hat sich auch die Familie des Franz von Trier zugelegt, die zu Beginn des 15. Jahrhunderts in Aachen und im Rheinland als Glockengießer tätig war und – aber hier gelangt man in das Reich der Vermutungen – von einem gewissen „Wilhelm aus Trier“ abstammte, der bereits nach Köln und später von dort nach Antwerpen gezogen war, wo er als Schöffe und Verleger arbeitete. Das „von“ im Namen ist mithin  ein Hinweis auf den Herkunftsort. Das trifft auch – zumindest indirekt – auf einen der berühmtesten Namensträger zu – den dänischen Regisseur Lars von Trier („Dancer in the Dark“, „Breaking the Waves“, „Dogville“), Jahrgang 1956. Er trägt zwar den Namen seines Vaters Ulf Trier, dessen Vorfahren Salomon und Ethel Trier im 18. Jahrhundert aus Trier nach Dänemark eingewandert waren; sein leiblicher Vater war jedoch der – ebenfalls deutschstämmige – Fritz Michael Hartmann, was die Mutter ihrem Sohn erst kurz vor ihrem Tode beichtete. Vielleicht zum Trost – oder zur Abtrennung vom vermeintlichen Erzeuger – legte Lars sich dann das „von“ zum Namen hinzu.

Von all den Triers, die nichts mit der Stadt zu tun haben, dürfte Walter Trier (1890-1951) der populärste sein: Als Zeichner und Illustrator unter anderem von Erich Kästners „Emil und die Detektive“, als Mitarbeiter für den „Simplicissimus“ und die „Berliner Illustrierte“. 1936 emigrierte er nach London, von dort 1947 nach Kanada. Ein Angebot von Walt Disney, für seine Produktionsfirma zu arbeiten, lehnte er ab. Künstlerisch tätig waren auch der Kölner Eduard Trier (1920 – 2009), der von 1965 bis 1972 Leiter der Düsseldorfer Kunstakademie war, sowie dessen  älterer Bruder Hann Trier (1915 – 1999), der Jahre zuvor am selben Institut studiert hatte, später in Hamburg und Berlin lehrte und  drei Mal mit seinen Werken bei der Kasseler „documenta“ vertreten war.  

Der jüngste Trierer kam 1996 zur Welt und hat möglicherweise keine Ahnung, welches Erbe in seinem Familiennamen steckt:  Allonzo Trier wurde 1996 in Seattle (US-Bundesstaat Washington) geboren und gehört zu den bekanntesten Basketballspielern seines Landes; zwei Jahre lang, von 2018 bis 2020, war er bei den „New York Knicks“ unter Vertrag.

 Apropos Amerika: Viele Einwanderer aus Deutschland haben ihrer Stadt in der neuen Heimat ein Denkmal gesetzt, indem sie deren Namen einfach nach Nebraska (Minden),  New York (Hamburg), Stuttgart (Arkansas) oder Munich (North Dakota) mitgenommen und der neuen Umgebung angepasst haben. Ganz im Westen von Minnesota, an der Grenze zu Wisconsin, sind vor mehr als 150 Jahren auch heimwehkranke Aussiedler von der Mosel gestrandet und gaben dem kleinen Flecken, an dem sie sich um 1850 niedergelassen haben, den Namen „New Trier“. Eine Porta haben sie sich zwar nicht an den Stadtrand gebaut; ebenso wenig ein Amphitheater in die Mitte. Nur die Telefonvorwahl haben ihre Nachfolger übernommen: Wer einen von den wenigen Einwohnern (nach der aktuellsten Zählung, die auch schon wieder zehn Jahre her ist, lebten 2010 dort 112 New Trierer) erreichen will, muss die Vorwahl 651 tippen.