Nachtigall, ick hör' dir tapsen

Nachtigall, ick hör' dir tapsen

"Weltmusik", so heißt die neue Konzert-Reihe der Trierer Philharmoniker. Nach der Beatles-Nacht zur Saisoneröffnung steht nun Amerika im Mittelpunkt. Neben Gershwin, Bernstein und Copland ist dabei das "Tap Dance Concerto" von Morton Gould zu hören - das Werk mit dem kuriosesten Solo-Instrument der Welt.

Trier. Wenn Andreas Dänel sein Instrument für den Auftritt vorbereitet, dann braucht er einen Schraubenzieher - und manchmal auch einen Hammer. Für das "Stimmen" muss er die Schuhe ausziehen oder sich mächtig verrenken. Denn Andreas Dänel trägt sein Instrument an den Füßen, in Gestalt von vier Metallplatten.

Der Beruf "Stepptänzer" dürfte ohnehin eine Rarität sein. Aber einer, der seine Tätigkeit in klassischen Konzertsälen mit großen Sinfonie-Orchestern ausübt, gehört definitiv auf die Liste der zu schützenden Arten.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wuchsen Stepptanz-Legenden in der Entertainer-Szene förmlich auf den Bäumen. Fred Astaire und Ginger Rogers steppten gar im Duett. Jahrzehnte später entdeckten irische "Lords of the dance" die Kunst des rhythmischen Füße-Klackens für ein breites Publikum wieder.

Aber was Andreas Dänel macht, bewegt sich auf einer anderen Ebene. Es hat mit gestaltender Kunst mindestens so viel zu tun wie mit virtuosem Tanz-Handwerk. Da spielt einer Theater, tanzt Ballett, musiziert Sinfonien, und das alles mit nichts als zwei Beinen und vier Eisen, die im Französischen den schönen lautmalerischen Namen "Claquettes" tragen.

Kein Wunder, dass er sich das 1952 entstandene "Tap Dance Concerto" des amerikanischen Film- und Musicalkomponisten Morton Gould vorgenommen hat. Seit mehr als zehn Jahren zieht Dänel damit durch Europa und fährt begeisternde Kritiken ein. "Man glaubt, einen Tausendfüßler zu hören", schrieb die FAZ. "Gegen ihn ist Gene Kelly ein Waisenknabe", schwärmte die Südwest-Presse. Der Hessische Rundfunk und das Schweizer Fernsehen haben das "Tap Dance Concerto" aufgenommen.

Tatsächlich packt einen das Staunen, wenn man Aufzeichnungen seiner Konzerte sieht. Es beginnt ganz verhalten und steigert sich bis zu einem Veitstanz, der so aussieht, als zelebriere jemand barfuß Flamenco auf einer heißen Kochplatte.

Freilich muss das alles haargenau auf den Rhythmus eines fünfzigköpfigen Orchesters passen. Instrumententechnisch gesehen, gehört der Stepptänzer zur Gattung der Percussionisten, ist also eine Art schräger Verwandter des Schlagzeugers.

Dänels Stepp-Künste kommen Generalmusikdirektor Victor Puhl gerade recht bei der Etablierung seiner aus der Taufe gehobenen "Weltmusik"-Reihe. Neben den traditionellen acht Sinfonie-Konzerten hat er bei seinem Amtsantritt im Herbst eine neue Spielwiese eröffnet. Sie dient dazu, das Philharmonische Orchester konstanter mit unkonventionellen musikalischen Formen zusammenzubringen. Die Beatles machten den Auftakt, Wolfram Huschkes rockiges E-Cello kommt im Mai.

Dazwischen soll "Step on, America" nicht nur den Stepptanz pflegen. Passend zum Start der neuen politischen Ära in den Staaten, zwei Tage nach Obamas "Inauguration", bieten Puhl und seine Philharmoniker einen hitgeladenen Streifzug durch "God's own country", bei dem auch die "Rhapsody in Blue" nicht fehlen darf.

Dabei hat sich der neue GMD nicht nur den illustren Stepp-König Dänel zu Hilfe geholt, sondern auch Experten aus den eigenen Reihen. Orchester-Bassist Peter Kasper und -Schlagzeuger Fred Boden werden ihre vielfältigen Swing-Erfahrungen einbringen, begleitet vom Pianisten Sebastian Laverny, der einst am Trierer Theater den Chor leitete und nach wie vor als Kopf des "Odeon Jazz Quartetts" fungiert.

"Step on, America" am Donnerstag, 22. Januar, 20 Uhr im Großen Haus des Trierer Theaters. Tickets gibt es in den TV-Service-Centern in Trier, Bitburg, Wittlich, unter der TV-Tickethotline 0651-7199-996 und online unter www.volksfreund.de/tickets