Nackte Haut, Orgie, Lustschreie und Selbstmord: Warum „NeroHero“ in Trier gewaltiges Aufsehen erregt hätte

Nackte Haut, Orgie, Lustschreie und Selbstmord: Warum „NeroHero“ in Trier gewaltiges Aufsehen erregt hätte

Was die abgesagte Show „NeroHero“ den Zuschauern gezeigt und geboten hätte, klingt eher wie ein Ab-18-Programm. Das Konzept liegt dem Volksfreund vor.

"Nero entkleidet sich. Auch das Volk entkleidet sich. Nero trägt nun einen winzigen Lendenschurz. Das Volk trägt Sport- und Badebekleidung, entblößte Oberkörper, viel nackte Haut." Diese Szene aus dem Konzept von "NeroHero" deutet schon darauf hin, dass die Nummer nicht als Debattierklub endet. So geht es weiter: "Nero ist der Vorturner der Nation. Er macht seine gymnastischen Übungen vor. Das Volk bewegt sich nach seinem Vorbild. Die Massenturnstunde steigert sich zu einer echten kollektiven Verausgabung." Klingt das nach einer Orgie? Das Ende der Szene lässt daran keinen Zweifel: "Anstrengung, Schweiß, dazu pumpende treibende Sounds bis zur Exstase und immer weiter, bis endlich alle erschöpft zusammenbrechen."

Doch eine breite Diskussion oder gar einen empörten Aufschrei über das künstlerische Konzept von "NeroHero" hat es nicht gegeben. Wie denn auch - schließlich ist das Papier bis heute nur wenigen Entscheidern im Trierer Rathaus und der regionalen Kulturszene bekannt.Außerdem hatten die Protagonisten der Politik und Kultur genug damit zu tun, sich über die Absage und den Kulturdezernenten Thomas Egger aufzuregen. Dieser hat die für August geplante Inszenierung gestrichen - wegen fehlender Sponsoren, nur wenigen verkauften Karten, einem bröckelnden politischen Rückhalt und seiner Ansicht nach zu kritischen Medien.

Das Stück, das es nicht geben wird

Eines lässt sich mit Sicherheit sagen: Das Stück hätte Aufsehen erregt. Und zwar gewaltig.
Die eben beschriebene Orgie ist kein Einzelfall. Es geht noch weiter. "Nero imitiert die Lustschreie einer deflorierten Jungfrau. Die Menge sieht dabei zu. Nero steigert die Lustschreie bis zum Höhepunkt."
Am Ende "sticht sich Nero den Dolch in die Kehle, stirbt, rollt die Stufen herunter und bleibt liegen." Ein Sprechchor sagt: "Ein würdevoller Tod kann ein erfolgreiches Leben krönen, ein gescheitertes wettmachen, er öffnet den Weg zum Ruhm."

Das Konzept zielt auf die Vielfältigkeit Neros "als Mörder, Künstler, grausamer Tyrann und als Mann, der gerne eine Frau gewesen wäre". Um das Verhältnis von "Masse und Macht" soll es gehen. So wird es im Konzept formuliert: "Wie funktioniert Manipulation und welche widersprüchlichen Kräfte wirken zwischen einer politischen Figur und den Menschen?"

Der erfahrene und vielfach ausgezeichnete Theaterautor und Regisseur Bernd Liepold-Mosser hätte die Inszenierung übernehmen sollen. Der aus Barcelona stammende Choreograf Cesc Gelabert wäre mit an Bord gewesen, ebenso die Band "naked lunch" und der Video-Künstler Philip Kandler. Auf der Bühne war die Company Susanne Linke mit Solisten wie Silke Grabinger und Fritz Spengler als "Verkörperungen der Ikone Nero" geplant. Zum Ensemble sollten auch 150 Menschen aus Trier gehören, die ein Jahr lang auf die Show um den römischen Kaiser vorbereitet worden sind.

"NeroHero" sollte eine doppelte Premiere werden. Zum ersten Mal sollten das Theater Trier und das Mosel Musikfestival gemeinsam eine Veranstaltung auf die Bühne bringen. Ebenfalls zum ersten Mal sollte im Rahmen des Mosel Musikfestivals eine Eigenproduktion unter der Leitung des Trierer Intendanten Karl Sibelius entstehen.

Viele kritische Fragen

Dieser warf nach Eggers Absage den Job als künstlerischer Leiter der "Nukleus"-Reihe hin, mit der laut Plan des Kulturdezernenten Triers römisches Erbe neu bespielt werden sollte. "NeroHero" wäre die erste "Nukleus"-Inszenierung gewesen. Ob diese Projektreihe überhaupt weiterleben wird oder schon ebenso tot ist wie Nero, ist völlig offen.
In der Politik ist das letzte Wort um "NeroHero" noch lange nicht gesprochen. Im Trierer Kulturausschuss muss sich Dezernent Egger am kommenden Dienstag, 19. April, einem Fragenkatalog der Stadtratsfraktionen der CDU und der Grünen stellen. Dabei taucht ein zentrales Thema immer wieder auf: Wer kannte das Konzept inklusive Orgie und Lustschreie im Detail? Wann wurde es generell wem vorgestellt? Kannten es die erhofften Großsponsoren? Ob und wie Egger antworten wird, stellt sich erst in der Sitzung heraus.

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