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Nero-Ausstellungseröffnung in Trier: Ehrengäste finden Parallelen zur heutigen Zeit

Nero-Ausstellungseröffnung in Trier: Ehrengäste finden Parallelen zur heutigen Zeit

Glänzende Augen im Angesicht der sagenhaften Schätze Neros haben die Ehrengäste bei der Eröffnung der Großausstellung in Trier. Eine solche Ausstellung sähe man einer gerne noch öfter in der Moselstadt.

Berühmt wurde Kaiser Nero unter anderem für seine Prunksucht, die im Domus Aurea (Goldenes Haus), einem riesigen Palast, gebaut nach dem großen Brand Roms 64 nach Christus, seinen Ausdruck fand. Gewidmet ist diesem Palast ein ganzer Raum in der Nero-Ausstellung, der auch die prominenten Besucher bei der Eröffnung von „Nero – Kaiser, Künstler und Tyrann“ am Freitagabend begeistert .

Ministerpräsidentin Malu Dreyer zeigt auf einen Schriftzug zum "Dinner im Blütenglanz" und sagt schmunzelnd: "Hier, für die Männer!" Was ihren Ehemann Klaus Jensen nur zu einem trockenen "Weiß gar nicht was die hat, mach ich ihr doch jeden Tag" veranlasst. In lockerer, gelöster Atmosphäre zieht der Tross der Ehrengäste durchs Landesmuseum, hochkarätig geführt von Musemsleiter Marcus-Reuter.

Brandschutz und Blutwurst

Ein bisschen ist die Stimmung wie beim Klassenausflug: alle hören gespannt Reuters fachkundige Erläuterungen zu, zwischendrin wird aber gerne auch mal rumgeblödelt. So verzichtet Triers Kulturdezernent Thomas Egger lieber auf die süßen Nero-Törtchen und fragt stattdessen nach etwas Herzhaften wie einem Stück Blutwurst - was ihm angesichts des doch einigermaßen blutrünstigen Tyrannen einen großen Lacher der Umstehenden einbringt.

Andrea Sand, Frau von Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe, bewundert Schmuckstücke und einen aus einem Bergkristall geschliffenen Becher, den sich Nero allein eine Million Sesterzen kosten ließ und kommt zum Urteil: "Er hatte jedenfalls Geschmack." Nero habe unheimlich viel in gute und neue Architektur investiert, berichtet Reuter, was Leibe zum etwas sehnsüchtigen Schmunzeln anregt: "Würde ich auch machen, wenn ich das Geld hätte. "

Ein klein wenig kann er sich damit trösten, dass Nero sich beim Wiederaufbau sehr mit Brandschutzmaßnahmen beschäftigte - ein Thema, das die Stadt auch heute etliche Millionen kostet. Bei allen Witzchen, die die Ehrengäste reißen, sind sie doch vor allem eins: sehr angetan über das, was sie im Landesmuseum zu sehen bekommen. "Es ist super, eine tolle Ausstellung", sagt Malu Dreyer am Ende des Rundgangs und klopft Thomas Metz, dem Leiter der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE), auf die Schulter. "Ich werde alle meine Freunde herschicken." Nimmt man Dreyers Facebook-Seite zum Maßstab, dann wäre das allein gut 52.000 Besucher und damit ein Drittel der erhofften Zahl.

Angesichts des schon zu Beginn enormen Presseechos der Ausstellung, gehen bei manch einem die Gedanken schon weiter. 2018 steht Trier mit Landeshilfe ganz im Zeichen von Karl Marx. "Auch für 2020 oder 2021 hätten wir schon ein paar schöne Ideen", sagt Leibe bei der Eröffnung an Malu Dreyer gerichtet. Welche Ideen das sind, das will er sich auf Voksfreund-Nachfrage aber noch nicht entlocken lassen. In Trier alle paar Jahre eine solche Großausstellung zu bekommen, die Stadt im Gespräch zu halten, das halte er jedenfalls für sinnvoll, sagt Leibe. Da ist Museumsdirektor Marcus Reuter einer Meinung mit ihm - und von Reuter dürften die 2020-Ideen auch kommen. Sagen will auch er dazu aber lieber nichts: "Sonst ist das Thema ja verbrannt."

Nur so viel verrät Reuter: Seine Ideen würden, ähnlich wie bei Nero, über Trier hinaus strahlen, und: "Es ist kein Kaiser." Ein wesentliches Wörtchen mitzureden hätte bei so einer Planung zweifellos GDKE-Chef Thomas Metz. Er läuft mit sichtlichem Stolz durch die Ausstellung, doch als Verantwortlicher einer landesweit agiererenden Generaldirektion ist er auch vorsichtig genug, sich nicht sehr weit aus dem Fenster zu lehnen. Nach Nero und Marx in Trier sei 2020 "eigentlich Mainz wieder dran", sagt Metz, angesprochen auf die noch geheimen Trierer Ideen, schiebt aber, ganz diplomatisch hinterher. "Das heißt aber nicht, dass es nicht möglich wäre, womöglich auch gute Ideen in Trier zu unterstützen." Das ist zumindest mal keine Absage.Meinung

Nero, Marx - und dann?

Ob die Nero-Ausstellung tatsächlich ein Erfolg wird, ist natürlich noch nicht abzusehen. Die Planungen für das Marx-Jahr 2018 laufen auf vollen Touren. Darf man da jetzt schon die Frage nach einer Austellung für 2020 oder 2021 stellen? Man darf als OB nicht nur, man musses sogar. Auf dem Erfolg der Konstantin-Ausstellung wurde sich viel zu lange ausgeruht, Antikenfestspiele und Brot & Spiele wurden zu Grabe getragen. Die römischen Ruinen aber und das Geschichtsthema, sie sind Trier größtes Kapital. Sie - auch mit Ausstellungen im Nero-Format - im Gespräch zu halten, ist lebenswichtig für die Stadt. m.schmitz@volksfreund.de