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Neue alte Tempel aus dem 3D-Drucker

Neue alte Tempel aus dem 3D-Drucker

Das Unesco-Welterbekomitee tagt am Dienstag über die Oasenstadt Palmyra und andere durch die IS-Terrormiliz gefährdete Welterbestätten. Einem Wiederaufbau der zerstörten Stätten steht sie skeptisch gegenüber, da eine Rekonstruktion im Rahmen der Welterbekonvention nicht erlaubt ist.

Istanbul. Die Unesco zeigt sich "höchst besorgt" über die Zerstörung der historischen Oasenstadt Palmyra und anderer Welterbestätten in Syrien. Das Unesco-Komitee für das Welterbe rief am Dienstag bei seinem Treffen in Istanbul alle Bürgerkriegsparteien dazu auf, die historischen Stätten zu verschonen. Die insgesamt sechs syrischen Stätten bleiben dem Beschluss zufolge auf der Liste des gefährdeten Kulturerbes. Außer Palmyra zählen dazu die Altstädte von Aleppo, Damaskus und Bosra, die Kreuzfahrerfestung Crac des Chevaliers sowie antike Dörfer in Nordsyrien.
Die Unesco sieht einen originalgetreuen Nachbau zerstörter Bauten der historischen Oasenstadt Palmyra in Syrien mit großer Skepsis. "Einige meinen, dass man das in 3D machen kann, aber so einfach ist das nicht", sagte die Direktorin des Welterbezentrums der Unesco, Mechthild Rössler, der Deutschen Presse-Agentur. "Rekonstruktion ist nicht erlaubt im Rahmen der Welterbekonvention."
Allerdings müsse darüber eine Debatte geführt und im Einzelfall entschieden werden, wie mit zerstörten Bauwerken umgegangen werde.
Alle syrischen Welterbestätten haben massiv unter dem mehr als fünfjährigen Bürgerkrieg gelitten. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte in ihrer fast einjährigen Herrschaft über die Oasenstadt Palmyra mehrere einzigartige Bauwerke zerstört, darunter den Triumphbogen sowie die beiden Tempel Baal-Schamin und Baal. Auch die berühmte Zitadelle der nordsyrischen Stadt Aleppo ist stark zerstört. Rössler gehörte zu einer Experten-Delegation, die Ende April zu einer ersten Bestandsaufnahme der Schäden in der zentralsyrischen Stadt war. Sie sei bei dem Besuch erleichtert gewesen, dass die Stätte vergleichsweise gut erhalten sei. Einige der zerstörten Bauwerke könnten "relativ einfach" wieder aufgebaut werden, sagte Rössler. Dazu zähle der Triumphbogen, dessen Überreste aus ganzen Stücken beständen. Die beiden Tempel seien hingegen pulverisiert.
Eine Replik des Triumphbogens war im April auf dem Trafalgar Square in London enthüllt worden. Sie war mit Hilfe eines 3D-Druckers konstruiert worden und soll nach einer Ausstellung in New York und in Dubai dauerhaft einen Platz in Palmyra finden. red