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Neue Edition mit Werken von Stefan Andres erscheint

Literatur : Viele Bekenntnisse zur Heimat

Eine Auswahl der Werke von Stefan Andres liegt jetzt in einer neunbändigen Edition vor.

(L) Stefan Andres, der große Schriftsteller von der Mosel, hat ein umfangreiches und vielgestaltiges Werk hinterlassen, vornehmlich Romane, aber auch Hörspiele, Lyrik, Dramen, Briefe und Essays. Ein Teil dieser Einzelwerke ist jetzt in einer neunbändigen Edition erschienen, eine wahre Fundgrube nicht nur für Anhänger des Müllersohns aus dem Dhrontal, dessen  Todestag sich am 29. Juni zum 50. Mal jähren wird.

Den Roman „Der Knabe im Brunnen“,  in dem der 1906 in der Breitwiesmühle im Dhrontal geborene Dichter an seine Kindheit  und den ersten Trier-Besuch an der Hand der Mutter erinnert, sehen viele Andres-Leser aus der Trierer Region als ein Standardwerk seines Schaffens  an. Aber Stefan Andres, der in seinem selbst gewählten Exil in Positano (Italien) mit „verstecktem Schreiben“ in den Jahren der Nazi-Zeit etliche Beiträge in deutschen Zeitungen veröffentlichen konnte, hat ungeachtet dessen in seinem Gesamtwerk eine beachtliche schriftstellerische Bandbreite bewiesen. Noch heute ist er, auch auf Initiative der in Schweich ansässigen Stefan-Andres-Gesellschaft,  Teil der Schullektüre. Zu der neunbändigen Edition gehört unter anderem der Roman „Die Versuchung des Synesios“, eine Art Testament des Dichters. Die Novelle „Wir sind Utopia“, eine Geschichte aus dem spanischen Bürgerkrieg und eines der bekanntesten Werke, schrieb er laut Aussage seiner Frau Dorothee Andres, die ihr Leben mit dem Schriftsteller in ihrem Buch „Carpe diem“ schildert, in nur knapp 14 Tagen nieder.

Immer wieder hat Stefan Andres in seinen  Romanen  und Betrachtungen seine moselländische Heimat  erwähnt und gewürdigt. So in seinen „Moselländischen Novellen“, in deren Titelerzählung  „Gäste im Paradies“ kein Geringerer als Kurfürst Balduin (1307 – 1354) als Ersatzvater für die Zwillinge Balduin-rechts und Balduin-links herhalten muss.

Eng war seine Beziehung zu Trier, für Stefan Andres in der Kindheit  fast schon das Tor zur großen, weiten Welt. In dem Band „Der Dichter und seine Zeit. Reden und Essays“ würdigt er seine „hoch geschätzte Roma secunda“. Interessanterweise sieht er in seinem Essay nicht die Porta Nigra als das beherrschende Wahrzeichen der ältesten Stadt Deutschlands, sondern die Römerbrücke, „als Symbol, das dem neuen Trier gerecht wird, weil sie mit ihren Pfeilern alle Zerstörungswut der Zeiten überstanden hat“. Für Andres, einen leidenschaftlichen Vorkämpfer der deutsch-französischen Freundschaft, ist die Römerbrücke zudem sinnbildlich so etwas wie die „nach Westen ausgestreckte Hand Deutschlands“.

Die Edition berücksichtigt Veröffentlichungen des Schriftstellers von 1932 bis zu seinem Tod im Jahr 1970. Ergänzt wird die Edition, die nur eine Auswahl des Gesamtwerks umfasst, von Dorothee Andres‘ Erinnerungen, die einen persönlichen Blick auf die Schaffensjahre des einst auch für den Nobelpreis vorgeschlagenen Autors gewährt.

Andres-Edition (neun Bände): Briefe von und an Stefan Andres; Der Dichter in dieser Zeit; Tanz durchs Labyrinth; Terrassen im Licht; Die Sintflut; Der Knabe im Brunnen; Die Versuchung des Synesios; Wir sind Utopia; Gäste im Paradies. Wallstein-Verlag Göttingen; Gesamtpreis: 288 Euro.