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Neue Ordnung auf der Bühne

Neue Ordnung auf der Bühne

Veränderungen in der Struktur, aber Kontinuität im Programm: Das Grand Théâtre und das Kapuzinertheater in Luxemburg werden künftig gemeinsam vom Chef des Großen Hauses, Frank Feitler, geleitet. Die Programm-Profile sollen erhalten bleiben.

Luxemburg. "Paukenschlag", "lähmendes Staunen", "Krisenerscheinung": Die normalerweise über Interna gut informierte Luxemburger Presse war vor wenigen Tagen reichlich verdattert, als im Rahmen der routinemäßigen Präsentation der Theater-Saison 2010/11 bekannt wurde, dass die städtischen Bühnen künftig in neuer Schlachtordnung antreten.

Dabei dürfte die Personalie eigentlich niemanden überrascht haben. Schon lange war bekannt, dass der Gründer und langjährige Leiter des Kapuzinertheaters, Marc Olinger, Ende 2010 das Rentenalter erreicht. Der profilierte Theater-Prinzipal hatte durchblicken lassen, dass er durchaus noch ein Jährchen oder zwei dranhängen könne, wenn die städtische Kulturpolitik ihm ein solches Ansinnen antrüge. Aber spätestens, nachdem ihn niemand fragte, musste klar sein, dass im Rathaus die Würfel für eine neue Struktur längst gefallen waren.

Offiziell war viel von "Kostenreduzierung", "Effizienz" und "Synergieeffekten" die Rede. Tatsächlich dürfte es eher darum gegangen sein, dass das Kapuzinertheater stark auf die Person und die Persönlichkeit Olingers zugeschnitten und ein Nachfolger mit vergleichbarem Standing nicht in Sicht war. Dem gewieften Theatermanager Feitler hat man wohl am ehesten zugetraut, den Kernbestand des "Modells Olinger", die Eigenproduktionen mit einem festen Künstler-Stamm, in ein Gesamtpaket der städtischen Bühnen einzubinden. Olingers Warnung, das Kapuzinertheater dürfe nicht zu einem "dritten Haus" des Grand Théâtre verkommen, zeigt, wie schwierig der Job wird.

Nimmt man das vorgestellte Saisonprogramm 2010/11, dann ist von Sparzwängen zumindest auf den ersten Blick wenig zu spüren. Ein proppevolles Paket mit kunstvoll zusammengestellten Gastspielen wartet auf die Besucher. Opulent das Opern-Angebot, mit einer "Carmen" unter Leitung von Evelino Pido, mit der großen Anna Caterina Antonacci in der Titelrolle. Oder mit Regielegende Peter Brook, der sich mit 85 Jahren seiner ganz speziellen Version von Mozarts "Zauberflöte" annimmt. Die "Cosi fan tutte" aus Aix-en-Provence eröffnet die Saison, gefolgt von einer auf Weltspitzen-Niveau besetzten Barockentdeckung mit Steffanis "Niobe".

Mit fünfzehn Produktionen beweist das Tanz-Theater, dass es im Grand Théâtre weiterhin Maßstäbe setzt. Aus Russland, England, Frankreich, Holland, Argentinien, Spanien, Aus tralien und Deutschland kommen Kompanien aller Stilrichtungen des zeitgenössischen Balletts.

Das Schauspiel-Programm wartet mit Stars der deutschen, französischen und britischen Szene auf. Das Deutsche Theater Berlin kommt mit Samuel Finzi, Ulrich Matthes und Wolfram Koch für Schillers "Kabale und Liebe", Müllers "Hamletmaschine" und die "Perser" von Aischylos. Wer des Französischen mächtig ist, darf sich auf die Livebegegnung mit den Filmstars Isabelle Huppert und Emmanuelle Béart freuen.

Höchstpersönlich zu Gast sein wird auch der Autor Daniel Kehlmann, um den herum sich eine ganze Theaterwoche gruppiert. Und das National Theatre aus London bietet Olivier-Preisträger Rory Kinnear als Shakespeares "Hamlet". Chaplin-Tochter Victoria führt mit ihrem "Unsichtbaren Zirkus" das Feld der experimentellen Produktionen an.

Am Kapuzinertheater stehen Eigenproduktionen wie die Sternheim-Komödie "Die Kassette" und Lars Noréns düsteres Drama "Dämonen" im Mittelpunkt. Auch Nico Helmingers Tragikomödie "Pink Slip Party" dokumentiert die Absicht, die Kapuziner-Traditionen fortzusetzen.

Das komplette Programm, Termine und Infos zum Abonnement unter www.theatres.lu