Neue Sicht auf Händel

LUXEMBURG. Thomas Hengelbrock und sein "Balthasar-Neumann-Ensemble" gelten als Spitzen-Formation. Jetzt kamen der Dirigent, seine Sänger und Instrumentalisten mit Händels "Messias" in die Luxemburger Philharmonie.

Wer Händels Oratorium "Der Messias" nur von großflächig-betulichen Massenaufführungen kannte, musste sich umstellen. Ein kleines Streichorchester, dazu gelegentlich Trompeten und Pauken, Oboen und Fagott und dahinter ein Chor von gerade mal 24 Sängerinnen und Sängern, die auch die Solistenpartien übernehmen - das ist das "Balthasar-Neumann-Ensemble". Mit ihm vollbringt Thomas Hengelbrock künstlerisch geradezu Wunderdinge. Eine "Messias"-Interpretation ohne Wucht und Gewaltakte, beweglich, atmend, homogen, orientiert in dem historischen Instrumentarium, aber frei von Manierismen. Und vor allem: Auch in der kleinen Besetzung entfaltet das Oratorium im großen Saal der Luxemburger Philharmonie Stil und Statur. Exemplarisch das berühmte "Halleluja". Frei von allem Martialisch-Triumphalen, warm, flexibel und dabei meist im Mezzoforte - da erscheint das viel gerühmte und manchmal geschmähte Stück in neuem Licht. Dem Gewicht des Satzes schadet die weitgehend kammermusikalische Interpretation nicht und seiner inhaltlichen Botschaft nützt sie nur. Denn das Halleluja besingt ja im "Messias" den Sieg Gottes und damit die Erlösung der Menschen. Und so klingt bei Hengelbrock das gesamte Werk. Frei von Pomp und Bombast, eine lebendige, bewegliche Heilsgeschichte vom Wirken des Gottessohns auf der Erde und im Himmel. Das "Balthasar-Neumann-Ensemble" musiziert nicht nur perfekt, sondern auch inhaltsreich. Und der Besucher geht mit dem Gefühl nach Hause, Händels altbekanntes Oratorium jetzt ganz neu zu verstehen.

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