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Neues Buch aus Himmerod von Reimund Senge

Neue Bücher : „Anders werden ist mein Traum“

Stephan Reimund Senge hat zahlreiche Bücher geschrieben – zuletzt über den Propheten Elias und den Jesusjünger Thomas, „der Zwilling“. Und er hat in unzähligen Texten die Leser der TV-Wochenendpost angesprochen.

Meist, fast immer ging es dabei um Religiöses, gar nicht so selten auch um Politik. All das ist in der neuen Veröffentlichung ganz anders. Das „Nacht Tage Buch“ stellt die Person des Autors vollständig ins Zentrum. Es ist ein Buch von Senge über Senge.

Auf gut 200 Seiten, in sechs Kapiteln und in knapp 300 Aphorismen entwirft der letzte Zisterziensermönch im Eifelkloster Himmerod eine radikale Summe seines Denkens und zugleich seines Lebens. Viele Überschriften sprechen für sich: „Bleiben wie man ist“, „Projekt Unordnung“, „Vom Kleinbürger“, „Selbstfindungsindustrie“ – am Ende einfach eine Erinnerung an den Heiligen Geist „mit seinem Leuchten“. „Damit beginnt unsere Zukunft“. Und, vor allem und ganz persönlich: „Anders werden ist mein Traum“.

Von einem geistlichen Trost- und Erbauungsbuch ist dieses „Nacht Tage Buch“ um Lichtjahre entfernt. Religion und Christentum spielen vordergründig fast keine Rolle. Und doch schwingt in Senges Reflexionen eine ferne Erinnerung an Religion mit wie ein leiser, aber weit ausgehaltener Grundton. Die Kurztexte in diesem Buch sind zudem keine verstreuten und beliebigen Gedankensplitter. Sie sind erkennbar strukturiert. In ihnen schwingt die Dreiteilung der antiken Rhetorik mit: Inventio, Dispositio und Elocutio. Wobei gerade am Ende vieler Aphorismen auch eine Positionsbestimmung steht. „Ich habe gefälligst beunruhigt zu sein und diese und jene Autoritäten in Frage zu stellen“ (S. 73) –solche Sätze spielen an auf die schwierige Situation des Autors im Dickicht kirchlicher und weltlicher Zumutungen.

Fazit: Wer sich in das Abenteuer der Lektüre begibt, stößt leicht auf neue Ideen, Einsichten und entdeckt dabei vielleicht auch eigene Versäumnisse. So gesehen hat das „Nacht Tage Buch“ für Leserinnen und Leser auch einen ganz praktischen Wert.

Martin Möller