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Neues Trierer Künstlerkollektiv Antikörperkultur macht in Corona-Zeiten Mut

Kulturaktion : Kunst, die Mut macht

Das Künstlerkollektiv „Antikörperkultur“ um die Trierer Regisseurin Joya Gosh kämpft gegen Angst und Mutlosigkeit.

So schnell gibt sie nicht auf. „Lasst  uns kämpfen und nicht den Mut verlieren“. Joya Ghoshs Stimme am Telefon klingt entschlossen, wenn sie über  das Motto  ihrer neuen Initiative spricht, das in diesen Tagen einem antiviralen  Schlachtruf gleicht. Gerade hat die Gründerin und Geschäftsführerin des Theaterensembles  „Joya Ghosh and friends“ das Künstlerkollektiv „Antikörperkultur“ ins Leben gerufen. Ein Mutmacher soll es sein für Künstler und Kunstfreunde.

Als freiberufliche Regisseurin und Theatermacherin ist Ghosh wie unzählige ihrer Kollegen von den Folgen der Coronavirus-Pandemie betroffen. Die Angst geht um unter den „Freien“ aller Kunstsparten, weiß die Trierer Künstlerin. Seit Wochen hagelt es Absagen. Das Ende ist nicht in Sicht. Mit Ausfallsentschädigungen  können  die Künstler nicht rechnen. Bei der Pandemie handelt es sich wohl rechtlich um einen Fall höherer Gewalt, für den die Veranstalter nicht haften, wie der Berliner Staranwalt für Kunstrecht Peter Raue in einem Interview mit der Zeitung „Der Tagesspiegel“ erläuterte. Dass Schauspieler, Sänger oder Tänzer wie die meisten anderen Kulturschaffenden selten zu den Spitzenverdienern mit nennenswerten Rücklagen gehören, macht die Sache noch prekärer. Zumindest hat das Land Hilfe zugesagt. Höchste Zeit also,  Abwehrkräfte zu mobilisieren und Antikörper gegen Frust und Enttäuschung zu bilden. „Angst fressen Seele auf“ warnte vor bald 40 Jahren Rainer Maria Fassbenders berühmter Film.

Um die krankmachenden Folgen von Angst und Mutlosigkeit weiß auch Joya  Ghosh. „Wir wollen mit unserem Projekt die seelische und körperliche Abwehr stärken.“  Nicht nur um Künstler geht es allerdings. Mindestens ebenso wichtig ist dem Kollektiv, eine in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen auf sich selbst zurückgeworfene Öffentlichkeit mental zu unterstützen und ihr zu helfen, durchzuhalten. Bislang 18 Künstler aus ganz Deutschland haben sich im Künstlerkollektiv „Antikörperkultur“ zusammengetan, darunter Schauspieler, Tänzer, Sänger und Filmemacher. Jeden Tag wollen sie ihrem Publikum auf der Website des Kollektivs ein „kulturelles Highlight“ bieten. Die meisten haben bereits mit Ghosh zusammengearbeitet. Aber auch andere Künstler stellen Beiträge zur Verfügung, wie die Trierer Tänzerin Luiza Braz Batista, die eine Choreografie beigesteuert hat. Alles kostenlos.

Jeden Morgen trifft sich Ghosh mit ihren Teamkolleginnen Sara Schilasky und Antonia Knaupe, um die angebotenen Beiträge zu sichten und auszuwählen. Die Kommunikation mit den Künstlern einschließlich  notwendiger Proben geschieht telekommunikativ über Skype. Schon jetzt ist das Angebot vielfältig. Der aus Wittlich stammende und heute in Weimar lebende Schauspieler Manuel Klein liest Daniil Charms „Über Schein und Sein“, und Julia Prochnow führt durch Koblenz. Ein weiteres Highlight ist der Kurzfilm „Harri“ mit dem Frankfurter Schauspieler Andreas Wellano. Die Nutzung des Angebots ist für Kunstfreunde ebenfalls kostenlos. Allerdings können sich Zuschauer mit einer Spende beteiligen oder die Kunstcontents in den sozialen Netzwerken teilen und verbreiten.

Weitere Infos: https://antikoerperkultur.jimdosite.com/kultur/