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Neustart mit Marx: Star-Dramatiker schreibt Stück über Karl Marx

Trier. Spannendes zum Auftakt der nächsten Spielzeit: Der Star-Dramatiker Joshua Sobol schreibt für das Trierer Theater ein Stück über Karl Marx. Katharina de Mos

So gespalten das Verhältnis vieler Trierer zu ihrem Karl Marx auch sein mag - vieles spricht dafür, dass der alte Philosoph die Scharen rund um seinen 200. Geburtstag doch ins Trierer Theater locken wird. Hat der designierte Intendant Manfred Langner für den Start seiner ersten Spielzeit in Trier doch einen Autor verpflichtet, dessen Werke wie das vielfach preisgekrönte und verfilmte Stück "Ghetto" selbst jenen ein Begriff sein dürften, die nicht wöchentlich ins Theater gehen: Langner hat den renommierten israelischen Dramatiker Joshua Sobol beauftragt, für das Jubiläumsjahr 2018 ein großes Schauspiel über Karl Marx und seine Bedeutung in der Kulturgeschichte zu schreiben. Premiere der Uraufführung ist am 15. September 2018.

Wie das Theater mitteilt, wird der Zuschauer dabei Augenzeuge und Teilnehmer an einem fiktiven "banquet révolutionaire" - einem revolutionären Bankett. Bankette dieser Art kamen in der Mitte des 19. Jahrhunderts als politische Demonstration in Mode, nachdem der König im vorrevolutionären Paris von 1848 politische Versammlungen und Reden verboten hatte. Die Franzosen umgingen dieses Verbot, indem sie sich in großen Gruppen in Gasthäusern, Wirtshausgärten oder an anderen öffentlichen Plätzen vordergründig zum Essen trafen - zu einem Bankett, in dessen Verlauf aber auch leidenschaftliche Reden gehalten, revolutionäre Lieder gesungen und politische Debatten geführt wurden.

Im Rahmen eines solchen fiktiven Banketts wird der 200-jährige Marx mit seiner Philosophie und deren Wirkung bis in unsere Zeit konfrontiert. Weggefährten wie seine Frau Jenny von Westphalen, Friedrich Engels oder der Dichter Heinrich Heine erscheinen in diesem Rahmen ebenso wie Nachfahren und Persönlichkeiten, die sich auf Marx beziehen, von Lenin und Rosa Luxemburg bis hin zu dem zeitgenössischen Neo-Marxisten Thomas Piketty.

"Es ist keine Biografie, keine chronologische Darstellung von Karl Marx' Leben. Wir beschäftigen uns vielmehr mit seiner Wirkung auf die Welt und die Nachwelt", sagt Langner, der das Stück selbst inszeniert. Mit Joshua Sobol verbindet Langner eine langjährige Zusammenarbeit, in deren Verlauf bereits die Schauspiele "Der Kaufmann von Stuttgart" und "Blutgeld - Adenauers Weg" in Deutschland uraufgeführt wurden.

Als er Sobol gefragt habe, ob er über Marx schreiben wolle, sei dieser gleich Feuer und Flamme gewesen. Zweifellos aus Interesse an der Philosophie: Sobol hat an der Pariser Universität Sorbonne in Philosophie promoviert. Aber auch, weil Marx aus einer jüdischen Familie stammt. Es wird ein Spektakel mit Musik, Tanz und Schauspiel, in dem Gegner wie Befürworter ein komplexes Panorama um Marx und den Marxismus entwerfen.