Nicholas Müller im TV-Interview: Nicht heulen - touren!

Trier · Die Band "von Brücken" tritt auf dem Festival "Überall und Hier" auf. Sänger Nicholas Müller spricht im TV-Interview über Trier und das nächste Album.

Das Festival Überall & Hier ist "das schönste, farbenfroheste und ungewöhnlichste Musik- und Kulturfestival im Moseltal", preisen die Veranstalter von der Kulturkarawane an. Headliner des Festivals ist "von Brücken", die Band des ehemaligen Jupiter-Jones-Sängers Nicholas Müller. Wir haben mit ihm gesprochen über: den typischen Trierer, die Moselmetropole als Kulturstadt und Ausgangspunkt für Bands sowie über das nächste Album.

Warum spielt ihr beim Festival Überall & Hier?
Nicholas Müller Die Veranstalter, die Kulturkarawane, ist eine hoch sympathische Angelegenheit und dann ist es halt Trier - und in Trier haben wir mit "von Brücken" noch nicht gespielt. Tobi und ich, wir waren beide früher oft in Trier, im Exhaus etwa. Und deshalb war es uns ein echtes Anliegen, mal wieder nach Trier zu kommen.

Du hast in Trier gelebt und gearbeitet. Hast du einen Lieblingsort oder eine Lieblingskneipe?
Müller Ich hab mal eine Zeit lang in der Fleischstraße gewohnt. Lucky's Luke war immer der Hauptanlaufpunkt, und ansonsten haben wir viel in der Stadt selber abgehangen.

Nun wohnst du in Münster. Wie siehst du die beiden Städte im Vergleich?
Müller Die beiden Städte sind sich relativ ähnlich. Ich mag Trier unheimlich, weil es einerseits eine Stadt ist, andererseits hat man aber auch das Lebensgefühl eines Dorfs. Ich bin im Dorf aufgewachsen und war es gewohnt, dass ich jeden, den ich getroffen habe, auch kannte. Und das gleiche Gefühl hatte ich eigentlich auch hier in Münster. Alles, was mit Musik und abends rausgehen zu tun hatte, war immer Trier. Und Münster ist jetzt halt Heimat. Das ist da, wo meine Tochter wohnt und ich mich wohlfühle. Den Trierer selber finde ich total sympathisch. Das ist so eine Mischung aus Nett und Laut. Er kann sich lautstark ärgern, ist aber eigentlich ein total herzlicher Typ. Das ist in Münster ähnlich. Das lob ich mir an Menschen, wenn die beides können. Ich könnte nicht in Düsseldorf wohnen, wo alles fein und schick ist. Trier ist das Münster von Rheinland-Pfalz für mich.

Und wie siehst du Trier als Kulturstandort?
Müller Dabei denke ich zunächst ans Exhaus. Ich verstehe das mit den Brandschutzbestimmungen total. Allerdings sollte bei so einer Institution alles getan werden. Die Stadt sollte sich mehr ins Zeug legen. Das Exhaus ist für das Umland der Anlaufpunkt für eine alternative oder Rockszene, und deshalb ist es wichtig. Ansonsten macht Trier das gar nicht schlecht. Für Eifeler ist Trier ein Anlaufpunkt. Allerdings reicht es nicht, die älteste Stadt Deutschlands zu sein, um etwas zu bieten. Aber das gilt für viele Städte, dass dort mehr für Jugend und eine alternative Szene getan werden müsste. Vielleicht legt man mal einen Garten weniger an und rettet dafür das Exhaus.

Was rätst du Bands hier aus der Gegend? Trier gilt oft als schwieriger Standort für Künstler, weil drum herum nur Peripherie ist.
Müller Mit Jupiter Jones sind wir auch für eine Kiste Bier oder teils nicht mal entsprechendes Spritgeld wohin gefahren - sonst spielst du dich in Trier tot. Auch wenn mal ein paar rote Zahlen entstehen, ist das wichtig. Wer das aus Trier richtig gut gemacht hat, ist Love A. Die sind für mich eine der besten, wenn nicht die beste Punkband. Die sind auch quer durch die Wallachei gefahren, ohne reich zu werden, spielen aber jetzt auf den größten Festivals. Darüber heulen, dass man in einer Gegend wohnt, die nicht so ist wie Berlin oder Ruhrpott, das ist keine Entschuldigung. Wer sich hörbar machen will - gerade in Zeiten des Internets - der sollte sein Erspartes in die Hand nehmen und raus fahren. Das sind Erfahrungen, von denen man noch in 30 Jahren erzählen kann. Und reich werden? Wir hatten einen Hit, und reich bin ich trotzdem nicht.

In eurem Pressetext steht, ihr macht Indie-Pop. Was ist Indie-Pop für dich? Was erwartet die Besucher bei eurem Konzert?
Müller Das ist immer so eine Sache. Es ist Popmusik, weil Popmusik Musik ist, die jeder hören kann. Du brauchst kein spezielles Interesse. Diese Indie-Sache liegt daran, dass wir eine Tendenz dazu haben erst mal ungewöhnliche Instrumente mit einzubeziehen. Wenn wir etwa mit acht Leuten - in der großen Besetzung - auf der Bühne stehen, spielen wir mit 21 Instrumenten. Im Großen und Ganzen ist es Musik von Herzen, die jeder gerne hören darf. An dem Abend in Trier erwartet die Leute zwei Typen auf der Bühne. Ein Klavier und eine Gitarre. Mit eigenen Songs im Gepäck und vielen Ansagen, die manchmal ein bisschen zu lang werden. Und eine Überraschung gibt es. Wir planen da noch etwas Besonderes für Trier.

Ist die Reise nach Trier eine Reise in die Vergangenheit, eine Zeit, in der du vermehrt mit Angststörungen zu tun hattest?
Müller Das verknüpfe ich nicht mit Orten. Schwer fällt mir an dem Haus vorbei zu fahren, in dem ich aufgewachsen bin, weil es mich an viele unschöne Sachen erinnert. Trier aber gar nicht. Das war eine ganz wunderbare Zeit: Tolle WG mit tollen Leuten von der Band Geek Mafia damals. Wenn ich über die Kaiser-Wilhelm-Brücke fahre, habe ich ein Gefühl von Zuhause.

Kann man schon etwas über die nächste Platte erfahren?
Müller Ein Album wird definitiv erst 2018 erscheinen, aber vielleicht gibt es vorher schon eine Single. Wir lassen uns Zeit. Deutschsprachige Musik war ja lange Zeit ein schwieriges Thema, weil sie gar nicht stattgefunden hat. Jetzt machen alle auf Deutsch. Da kommt auch viel Quatsch bei rum. Da stand dann oft der Zweck vor der Sache. Wir möchten etwas rausbringen, das seine Qualitäten hat und lassen uns dafür gerne auch Zeit.Extra: DAS FESTIVAL

Das Festival Überall & Hier lockt vom 26. bis 27. August erstmals in die Trierer Kaiserthermen. Neben dem Headliner von Brücken spielen dort Bands wie Lilly Among Clouds, Bender und Schillinger oder Janitz. Zu bestaunen gibt's weiterhin "bunte Handmade- und Aktionsstände wie auf dem Moselschätze Designmarkt oder dem Sterntaler Weihnachtsmarkt und die besten regionalen Rebenkünstler und Gourmet Küchenkollektive", wie die Veranstalter von der Kulturkarawane versprechen.

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