Nicht nur fürs Archiv

Nicht nur fürs Archiv

So hell strahlt die Dunkelheit: Die Londoner Band Archive inszenierte sich im ausverkauften Luxemburger Den Atelier als stimmiges Gesamtkunstwerk.

Luxemburg. "So fuck you anyway", das mittelfingert der T-Shirt-Spruch am Merchandising-Stand. Ein Zitat aus dem wütenden "Fuck U", dem textlich plakativsten aller Archive-Songs. Das gibt\'s im Atelier nur zu lesen, nicht zu hören. Auch wenn die Band aus London den über 1000 Zuschauern viel Zeit gönnt, in den Archive-Kosmos einzutauchen. Dafür sorgt der Vorfilm (!), die knapp 40-minütige Dystopie "Axiom", in Schwarz-Weiß gedreht und von Archive als Gesamtkunstwerk in Szene gesetzt. Und vor allem das zweistündige Konzert, bei dem sich Archive durch knapp 20 Jahre Bandgeschichte spielen - nur das Debüt, das am damals angesagten Trip Hop orientierte "Londinium", lässt die Band außen vor. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf dem aktuellen, kürzlich erschienen Album "Restriction". Das könnte bei einer Band, die es schon ewig gibt und auf deren gefeierten Konzerten komischerweise Unter-30-Jährige kaum zu finden sind, durchaus problematisch sein. So viel neuer Kram? Hm. Aber nein, das passt - von Beginn an: Schon die ersten Songs nehmen vorweg, was die Londoner Band um Keyboarder Darius Keeler (der gerne auch mal mit viel Leidenschaft die Rhythmusgruppe dirigiert) und Danny Griffiths auszeichnet: Das dynamische, rhythmisch vertrackte "Feel It" als Opener. Dann das ebenfalls neue "Kid Corner" mit 90er-Reminiszenzen und der Klassiker "You Make Me Feel", beide gesungen von Holly Martin (zum Markenzeichen von Archive gehört, dass die Band mit mehreren Sängern arbeitet). Der elektronische Rock der Londoner mit Faible für Prog- und Post-Rock, für Gitarrenwände und warme Analog-Synthesizer braucht Platz, um sich zu entfalten - und nimmt ihn sich: Wer sich darauf einlässt, wird mit großartigen Live-Momenten belohnt.