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Nichts für Weicheier

Nichts für Weicheier

Lars Rudolph ist bekannt als Schauspieler aus Filmen wie "Lola rennt", "Luther", "Soul Kitchen" oder "Tatort". Ursprünglich aber ist er Musiker. Mit seiner neuesten Band Mariahilff, bestehend aus Ole Wulfers, Ronald Gonko, Herman Herrmann und Boris Joens kommt der Sänger und Trompeter in die Region. Über das Projekt sprach er mit unserer Mitarbeiterin Anke Emmerling.

Trier. (ae) Seit wann gibt es Mariahilff und für was steht die Band?

Rudolph: Es begann mit dem Tod von Ole Wulfers Oma. Sie besaß etliche Instrumente aus einem alten Mandolinen-Orchester und hat sie Ole vererbt. Wir wollten die Tradition weiterführen und haben eine Mandolinen-Band gegründet. So ist vor drei Jahren Mariahilff entstanden. Ich komme von der Bühne, vom Jazz und improvisierter Musik, die anderen aus dem Punk. Im Zuge der Elektrifizierung der Welt versuchen wir uns auf die Wurzeln zu besinnen. Wir arbeiten uns an akustischen Instrumenten ab, eine schöne Angelegenheit, sich auf schweißtreibende Weise dem Musikmachen hinzugeben.

Gelegentlich tauchen in Feuilletons Beschreibungen Ihrer Musik als Irrsinn oder wilde Mischung auf. Was sagen Sie dazu?

Rudolph: Na ja, unserer Musik ist vielleicht eigen und individuell, aber nicht experimentell. Da gibt es immer eine einfache runde Songstruktur, und wenn es auch anders klingt, ein bisschen Rio Reiser Einschlag. Wir heben uns vom Mainstream ab, deshalb sind wir immer der Geheimtipp. Wir haben keine große Plattenfirma und nicht die Umsatzzahlen, die die Medien erst richtig anspringen lassen. Aber es ist immer so, dass Leute, die zufällig in unsere Konzerte kommen, berührt sind.

Dazu tragen sicher auch Ihre Texte bei. Sie werden "sonderbar" genannt, aber drücken sie nicht ein Lebensgefühl aus, das viele angesichts der Opferung von Natur und Menschlichkeit für Fortschritt teilen?

Rudolph: Ja, da ist zunächst diese Ohnmacht und die Frage: Was kann ich überhaupt noch Gutes bewirken auf diesem Planeten? Da fängt man erst mal mit sich und der eigenen Welt aus Kindern, Freunden, Nachbarschaft an. Und da ist diese unsägliche Politikverdrossenheit. Aber, wie wir jetzt in Stuttgart gesehen haben, gibt es Leute, die trotzdem was machen. Da merkt man, dass man die mächtige, trickreiche Gegenseite doch verunsichern kann.

Jemand hat Sie mal Philosoph, Punker und Poet genannt!?

Rudolph: Ja, als denkender Westeuropäer versuche ich immer zu grundieren, wo ich herkomme und Dinge von verschiedenen Seiten zu betrachten, dank eines tollen Philosophielehrers in der Schule. Punk steht für mich für gesunde Energie, das Wohlfühlen wie damals im Urwald. Poet ist eine Lebenshaltung: Sich Zeit und Muße gönnen, nicht alles mitmachen, einen Baum schön finden. Vielen Menschen ist das nicht vergönnt, weil sie beknackte Arbeit machen müssen.

Konzerte: Mittwoch 27. Oktober, Tufa Trier; Donnerstag 28. Oktober, Rockhal im luxemburgischen Esch/Alzette, je 20 Uhr. Tickets in den TV-Service-Centern.

Zur Person

Lars Rudolph wurde 1966 in Wittmund (Ostfriesland) geboren, studierte Musik in Oldenburg und spielte ab 1984 zehn Jahre Punk-Jazz. Durch Kontakt zur Berliner Filmszene rutschte er ins Schauspielfach. Für seine erste Hauptrolle erhielt er 1997 den Max-Ophüls-Preis. Seither spielte er in mehr als 30 internationalen Filmen und Theaterstücken mit. In der ARD-Reihe Tatort wird er am 28. November als Freund des neuen hessischen Kommissars Murot alias Ulrich Tukur zu sehen sein. (ae)