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"Night of Music": Rock und Rap, Pauken, Pop und Pianissimo

"Night of Music": Rock und Rap, Pauken, Pop und Pianissimo

4000 begeisterte Besucher und ein vielfältiges musikalisches Programm gespickt mit reizvollen Gegensätzen - das war die Night of Music in der Arena Trier am Freitagabend. 130 Musiker haben sich in den Dienst der TV-Benefizaktion "Meine Hilfe zählt" gestellt.

Trier. Ist das jetzt ein klassisches Konzert? Ein Rockkonzert? Ein Jazz- und Swingabend? Ein Blueskonzert oder ein Best of Musicals? Es ist von allem ein bisschen und doch viel mehr, ein Gesamtkunstwerk mit Benefizgedanke und ein Geschenk zum zehnten Geburtstag der Arena. TV-Moderator Dieter Lintz, Herz und Seele der "Meine Hilfe zählt"-Aktion, kündigt das gleich zu Beginn an: "Wir lüften hier heute jede Menge Kästchen und Schubladen durch, lüften Sie mit!"
Die Big Band Art of Music steht in der ersten Hälfte auf der Bühne. Ein Auftritt vor 4000 Zuschauern - nicht alltäglich für eine überwiegend aus (professionell spielenden) Amateuren bestehende Band. Doch die Musiker um Bandleader Christian Botzet meistern den Parforceritt durch Stile und Genres mit großer Souveränität. Ebenso wie die Solisten. Gala-Sängerin Shirley Winter zeigt, dass sie in Rock, Pop, Schlager und Chanson gleichermaßen zu Hause ist, bringt das Publikum bei "Downtown" zum ersten Mitsingen und lässt rote Rosen regnen. Tenor Thomas Kiessling zeigt sein Können nicht nur mit "Nessun Dorma" aus "Turandot", sondern auch mit dem hymnischen "You Raise Me Up" von Josh Groban. Christian Schmitt swingt mit Sinatra, Werner Hertz holt Elvis auf die Bühne, Daniel Bukowski Ray Charles. Katharina Scherer swingt durch Sankt Pauli, und Steff Becker singt raumfüllend die "Waltzing Matilda".Da wird selbst Bach verrockt


Nach der Pause übernimmt das Philharmonische Orchester der Stadt Trier gemeinsam mit einer Allstar-Rockband. Die Solisten werden unter Klängen einer bombastisch verrockten Bach-Ouvertüre von den Trierer Miezen in den Saal geführt, ähnlich einem Sportler-Einlauf in der Arena, wenn auch nicht ganz so dynamisch. Und dann geht es weiter mit dem Mix aus Rock und Rap, Pauken, Pop und Pianissimo. Sandra Klinkhammer und Oliver Rohles widmen sich 007-Filmmelodien. Marko Schiefer gibt einen nahezu perfekten Joe Cocker, Julia Reidenbach, David Steines und Conny Hain machen Ausflüge in die Welt der Musicals, Chity Somapala rockt sich mit dem Orchester über die Stairways to Heaven. Das Theater Trier nutzt die Chance und wirbt mit populären Arien, vorgetragen von Mezzosopranistin Kristina Stanek, Tenor Svetislav Stojanovic, Bariton Amadeu Tasca und Sopanistin Joana Caspar für sich wie auch für die klassische Musik.
Es gibt nachdenkliche Momente, als die Musiker ihres im Sommer verstorbenen Kollegen Sebastian Matz mit dessen Song "Weitergehen" gedenken oder Thomas Schwab und Meike Anlauff einer verstorbenen Freundin mit "In diesem Moment" von Roger Cicero. Ein Abend der Gegensätze auch für das Orchester und Generalmusikdirektor Victor Puhl. Eben noch bearbeitet er wie ein Derwisch das Dirigentenpult bei Arturo Márquez\' "Danzón No. 2", dann darf er Guildo Horn begleiten, der das Orchester am liebsten wie seine Orthophädischen Strümpfe einsetzen und die Schlager gerne auch mal um drei Refrains verlängern würde. Den Schlusspunkt setzt das gesamte Ensemble mit "Imagine" und "Hey Jude" gemeinsam mit der 13-jährigen Anna-Marie Rohr und den Trommlern der TBB.
Die Arena bebt. Die Zuschauer sind begeistert und erschöpft zugleich. Die After-Show-Party beginnt, und der gute Zweck ist ein gutes Stück weitergekommen, auch wenn es noch etwas dauern wird, bis das finanzielle Ergebnis des Abends feststeht.