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Notos-Klavierquartett eröffnet Spielzeit der Kammerkonzerte in Trier

Klassik : Wege und Umwege zu Mozart

Das  Notos-Klavierquartett eröffnete am Mittwoch die Spielzeit der Kammerkonzerte im Kurfürstlichen Palais in Trier.

Gelegentlich lohnt es, einmal innezuhalten und sich im Festsaal des Kurfürstlichen Palais’ umzuschauen. Da fallen dann all die Details ins Auge, an die man sich allzu rasch gewöhnt hat. Gerade dieser Saal, dessen Akustik noch nicht einmal ganz ideal ist, hat eine geradezu klingende Optik, etwas Leichtes und beinahe Zärtliches. Wie geschaffen für filigran-feinsinnige Kammermusik. Beim Notos-Klavierquartett zur Eröffnung der Trierer Kammermusik-Saison hätte ein viktorianisches Ambiente den Interpretationsstil des Ensembles besser getroffen.

Das ist Positionsbestimmung und nicht Kritik. Pianistin Antonia Köster und ihre Streicher-Kollegen geben gleich in den Einleitungsakkorden zu Gustav Mahlers a-Moll-Quartettsatz eine beeindruckende orchestrale Fülle mit.  Es ist wirklich spätes 19. Jahrhundert – großzügig, klangfüllig, wuchtig und dabei mit sehr genauem Blick auf die thematische Entwicklung in der Komposition.

Weil das Notos-Quartett Unschärfen und Ungenauigkeiten nicht durchgehen lässt,  darum  behält sein Musizieren eine für den Festsaal erstaunliche Transparenz. Und dass die Podeste weggeräumt waren und das Quartett auch optisch auf Augenhöhe mit dem knapp 180-köpfigen Publikum saß, hat sich allem Anschein nach nur positiv ausgewirkt.

Und so, wie sie anfingen, beschlossen die Notos-Musikerinnen und –Musiker das Konzert. Dvoraks Klavierquintett op. 87 bebte geradezu vor Intensität. Der Stil des Ensembles hat etwas Strenges, Kompromissloses und dazu eine enorme Intensität. Die Musiker machen aus dem Quartett eine Sinfonie im Kammerformat. Sie steuern Höhepunkte sorgfältig an,  geben den Ausbrüchen im Mittelsatz eine fast erschreckende Kraft mit und finden dann im dritten Satz zu dem singenden, fließenden Duktus, den dieser Satz mit Brahms gemeinsam hat.

Mitten in diesem Konzert lag wie in einem Wellental Mozarts Es-Dur Klavierquartett KV 493. Es war ein lyrischer, ein „klingender“ Mozart, warm und angenehm in der Tongebung und doch in seiner Rundung und Fülle ganz offensichtlich beeinflusst vom Kompositionsstil bei Mahler und Dvorak.

Zu  neuesten Erkenntnissen zur rhetorischen Fundierung bei Mozart hält das Notos-Quartett ganz offensichtlich Abstand. Aber es hört hinein in die Partitur. Und realisiert sensibel die diffizilen Mischungen aus den beweglichen Figuren im Klavier und den liegenden Klängen der Streicher. Der Larghetto-Satz, in dem Mozart sich harmonisch weit vorwagt, er entfaltet eine wunderbare, in sich gekehrte Lyrik. Aus aktueller Sicht mag diese Interpretation nur ein Umweg zu Mozart sein. Aber auch er führt zum Ziel.