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Nur ein Hauch von Las Vegas

Nur ein Hauch von Las Vegas

Man hätte sich einen kleineren Rahmen für "One Night in Vegas" gewünscht: Auch wenn der Elvis-Interpret Rio gesanglich voll überzeugte, eine Atmosphäre wie einst im "International Hotel" wollte in der kaum gefüllten Europahalle Trier nicht so ganz aufkommen.

Trier. Die Anzahl der Elvis-Imitatoren in Deutschland dürfte höher sein als die der Besucher am Sonntagabend in der Europahalle in Trier. Ein möglicher Grund dafür ist, dass "RIO The Voice Of Elvis", so die offizielle Bezeichnung und Schreibweise, auf seiner Herbst-/Wintertour in vier weiteren Städten im Umkreis von 100 Kilometern gastiert. Allerdings füllen Imitatoren auch nicht gerade ganze Stadien.
In der Fanszene gilt Rio als einer der Künstler, der Elvis schon sehr nahekommt. Gesanglich. Sein Timbre liegt durchaus dicht am Original. Nicht nur in diesem Punkt verkörpert Rio den "späten" Elvis, bei dem mehr als bloß die Stimme voluminöser geworden war.
Hüftschwung gerät etwas steif


Abstriche muss man bei der Ausstrahlung machen. Hier ist er - wie bei seiner tänzerischen Performance - etwas hüftsteif.
Zwischen den Nummern gibt es dürftige Informationen zu den Stücken oder lahme Anekdoten mit Elvis-Bezug. Beispielsweise habe er noch zu allen verbliebenen Mitgliedern der TCB-Band Kontakt, und man treffe sich regelmäßig zum Kaffeetrinken. "Oder auf ein Glas Milch." Und die deutsche Version von "Are you lonesome tonight" heiße "Bist du langsam heut\' Nacht". Die Rolle des Erzählers liegt Rio nicht so sehr, weshalb sein immer wieder eingestreutes Lachen oft aufgesetzt wirkt. Vielleicht ist er aber auch nur erschöpft. Vor dem Konzert in der Europahalle hatte er bereits 23 Auftritte in 30 Tagen.
Einen sehr frischen Eindruck hingegen machen die vier Tänzerinnen, die passionierte Einlagen zu einem halben Dutzend der über 30 Songs zeigen. Unterstützt wird Rio zudem von einer guten Band, einem eher durchwachsenen Chor und einem Bläserquintett - dem rein polnischen "Tennessee Orchestra".
Der Titel "One Night in Vegas" ist natürlich viel zu dick aufgetragen, dennoch bekommen die Zuschauer ein abwechslungsreiches Programm geboten: Nicht nur Hits wie "Proud Mary", "Suspicious Minds" oder "In the Ghetto", sondern auch rare Stücke wie "Flaming Star", das Elvis angeblich nie live gesungen hat, umfasst die Setlist.
Immer wieder stehen die Besucher auf und klatschen mit. Bei "An American Trilogy" bekommen selbst erfahrene Fans feuchte Augen.
Stimmlich und beim CD-Preis (20 Euro) vermag es Rio, einen Hauch von Las Vegas zu vermitteln. Nur beim eigenen Namen ist etwas beim Nachahmen schiefgegangen. Den hat der Epigone des "King of Rock \'n\' Roll" nämlich samt dreizackiger Krone ganz offensichtlich vom "König von Deutschland" übernommen.