1. Region
  2. Kultur

Nur eine Kopie, aber trotzdem sehr wertvoll

Nur eine Kopie, aber trotzdem sehr wertvoll

Der Scivias-Codex gilt als eines der bedeutendsten Bücher der heiligen Hildegard von Bingen. Die Bibliothek des Priesterseminars hat jetzt ein Faksimile des Buches erworben. Es wurde nun der Öffentlichkeit präsentiert und zugleich eine Ausstellung eröffnet, die sich dem Schaffen Hildegard von Bingens widmet.

Trier. Es ist ein ganz besonderes Stück für die Bibliothek des Priesterseminars: das neue Faksimile, also eine originalgetreue Reproduktion, zu Hildegard von Bingens Scivias-Codex. Das Buch Scivias (zu Deutsch: "Wisse die Wege") ist eine Glaubenslehre, in der Hildegard von Bingen die Rückbesinnung zum Glauben fordert, sowohl von hohen Klerikern als auch vom einfachen Volke. Es gilt als Hauptwerk Hildegard von Bingens, die in der Großregion häufig als Heilige verehrt wird.
Auch die Trierer haben ein besonderes Verhältnis zu der Universalgelehrten, die auf ihren Predigt-Reisen auch nach Trier kam und hier entweder im Dom oder auf dem Hauptmarkt gesprochen hat. Wo genau, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Auch der original Scivias-Codex, der zwischen 1141 und 1151 entstand, gilt seit 1945 als verschollen. Vorher wurde jedoch eine originalgetreue Kopie angefertigt, auf deren Grundlage nun das Faksimile für das Priesterseminar entstand. "Solch eine Kopie ist unglaublich wertvoll", erklärt Franz Ronig, langjähriger Chef der Bistums-Denkmalpflege. "Die Ausstattung des Werkes ist sehr prachtvoll, viele Bilder haben eine Gold-Auflage. Schon für damalige Zeiten war das eine unheimlich kostspielige Angelegenheit."
Viele Illustrationen



Finanziert wurde das Faksimile aus frommen Schenkungen und aus Mitteln für Anschaffungen der Bibliothek. Das Besondere an Hildegard von Bingens Erstlingswerk ist unter anderem die Gestaltung des Buches. "Das Buch hat für damalige Verhältnisse sehr viele Illustrationen," sagt Ronig.
Untypisch sei, dass teilweise zwei nebeneinander liegende Buchseiten gleichzeitig mit Illustrationen versehen waren, eine langwierige Arbeit. Diese hat Hildegard von Bingen jedoch nicht selber angefertigt: Die Texte des Buches hat sie ihren Äbtissinnen diktiert, die passenden Illustrationen dazu fertigten verschiedene Künstler, darunter Mönche, nach ihren Anweisungen an. Das Buch war seinerzeit schon so bedeutungsvoll, dass der damalige Papst Eugen III. in Trier persönlich daraus vorlas.
Das Faksimile sowie eine Ausstellung zum Schaffen Hildegard von Bingens sind in der Bibliothek des Priesterseminars zu sehen. Die Ausstellung ist bis zum 21. Februar 2014 während der Öffnungszeiten der Bibliothek (Montag bis Donnerstag, 8 bis 18 Uhr, Freitag 8 bis 17 Uhr) zu sehen. Der Eintritt ist frei.