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Nur genutzte Bauwerke bleiben lebendig

Nur genutzte Bauwerke bleiben lebendig

Der bundesweite Tag des offenen Denkmals wird am kommenden Sonntag in Trier eröffnet. In diesem Jahr steht die Großveranstaltung unter dem Motto "Romantik, Realismus, Revolution - das 19. Jahrhundert". Mit Trier ist eine ideale Stadt für den offiziellen Startschuss ausgewählt worden.

Trier. Der Ort könnte nicht besser gewählt sein. Verdankt doch Trier dem 19. Jahrhundert nicht nur eine Fülle historischer Bauten. Ausgegraben, gesichtet, zurück- und wiederaufgebaut wurden auch die antiken Römerbauten, die Trier heute zu einem einzigartigen Standort machen. Der Altertümer nahm sich zunächst die in Folge der Französischen Revolution gegründete Gesellschaft für nützliche Forschungen an. Nachdem die Stadt ab 1815 zur Preußischen Rheinprovinz gehörte, wurden Triers Römerbauten Chefsache. König Friedrich Wilhelm IV. höchstselbst kümmerte sich um das kulturelle Erbe. Der königliche Romantiker ließ die Porta Nigra zurück- und die Konstantin-Basilika als evangelische Kirche feudal wiederaufbauen. Bereits als Kronprinz hatte er - fasziniert von den Trierer Altertümern - ein Schutzkonzept entworfen, das bald verbindlich für ganz Preußen wurde. Trier war somit zum Geburtsort des Denkmalschutzes geworden.Staat und Bürger engagiert

Inzwischen ist der Schutz des historischen Erbes selbstverständlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. "Der Staat nimmt die Denkmäler in seine Obhut und Pflege", heißt es in der rheinland-pfälzischen Verfassung. Außerdem steht dort: "Die Teilnahme an den Kulturgütern ist dem ganzen Volk zu ermöglichen." Das bedeutet mehr als die Öffnung der großen Denkmäler als Museen oder zum Tag des offenen Denkmals. Die Pflege der Denkmäler und das Engagement der Bürger dabei zeigt sich im Alltag besonders in der Förderung von privaten Wohn- und Bauernhäusern, im Erhalt von Bauten, die den Charakter einer Landschaft prägen wie Mühlen, Kirchen und Gehöfte oder von privat genutzten Villen und Schlossbauten. Heute gilt: Nur genutzte Denkmäler bleiben lebendig. Dem Verfall oder Abriss soll eine Reihe von Förderprogrammen entgegenwirken. Gerade bei den kleinen privaten Objekten kommt heute ein großer Teil der Fördermittel aus den Programmen der Dorferneuerung. Aber auch die hochprominenten Monumente, darunter die des Weltkulturerbes, wollen leben. Eine unvergleichliche Kulisse bieten gerade Triers Römerbauten für Konzerte, Theater und Open-Air-Veranstaltungen. "Solange die Substanz keinen Schaden nimmt und der Charakter des Bauwerks nicht leidet, ist eine solche Nutzung unbedenklich", sagt Thomas Metz, der Chef der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz. Das gilt auch für den Einbau der notwendigen Infrastruktur wie Wirtschaftsräume, sanitäre Anlagen und barrierefreie Zugänge. "Man muss eben Architekten finden, die Sinn für die Ausstrahlung und Eigenart des Objekts haben und behutsam damit umgehen", stellt der rheinland-pfälzische Denkmal-Treuhänder klar. Abhängig vom Zeitgeist

Wie man Denkmäler instand setzt, unterliegt dem jeweiligen Zeitgeist. Hatte man noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts Denkmäler historisierend ergänzt, so setzten sich in den Jahrzehnten danach Anbauten klar, oft sogar widersprüchlich, vom Altbau ab. Heute ist denkmalpflegerische Lehrmeinung: "Was alt ist, muss als alt, was neu, als neu erkennbar sein." Für Metz steht fest: "Wir müssen den Charakter eines Denkmals bei Anbauten in eine zeitgenössische Formensprache übertragen, wie etwa bei den Kaiserthermen." Von gebauter Kontroverse und architektonischem Kräftemessen zwischen Alt und Neu hält der Architekt hingegen nichts. Von selbst versteht sich für Metz, dass wirtschaftliche Nutzung von Denkmälern nicht Ausbeutung, sondern Substanzerhaltung bedeuten muss: "Kein Geschäftsmann würde sein Betriebsvermögen zerstören." Wenn es um Restaurierung geht, gilt statt "aus Alt mach Neu" ein "konservatorischer Ansatz". Was eindrucksvoll das Beispiel der am vergangenen Wochenende wiedereröffneten Liebfrauenkirche in Trier belegt. Nur so wenig wie möglich haben die Restauratoren in die Substanz eingegriffen, stattdessen gesichert, gereinigt und diskret nachgearbeitet und so dem Bau seine Geschichte gelassen. Moderne Technik

Um die aktuelle Fortschreibung von Baugeschichte geht es auch, wenn im Alltagsgeschäft in Denkmäler neue Haustechnik eingebaut wird oder energetische Konzepte wie Solaranlagen realisiert werden sollen. "Man muss miteinander reden und ein Vertrauensverhältnis zu den Denkmalbesitzern herstellen", bestätigt Dorothea Kuhnen von der Unteren Denkmalbehörde bei der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich. "Dann findet man meist eine Lösung." Und überhaupt: Im Umgang mit Denkmälern gilt für Pfleger wie Besitzer und Öffentlichkeit, was Thomas Metz so formuliert: "Denkmäler müssen uns emotional packen. " Alle Termine und viele Hintergründe rund um den Tag des offenen Denkmals finden Sie in einer TV-Beilage, die am Freitag, 9. September, erscheint.Das Programm der Eröffnungsveranstaltung in Trier am Sonntag, 11. September: 10 Uhr: Ökumenischer Themengottesdienst, Konstantin-Basilika 11 Uhr: Festliche Eröffnungsfeier in der Basilika, Begrüßung durch Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen, Grußworte: Doris Ahnen, Kulturministerin Rheinland-Pfalz, und Joachim Glatz, Landeskonservator, Vertreter der Vereinigung der Landeskonservatoren. red