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Ohne die Sternenkrieger wäre es noch düsterer

Ohne die Sternenkrieger wäre es noch düsterer

TRIER. Immer öfter bleiben die Stühle leer: Im vergangenen Jahr gingen 20 Prozent weniger Zuschauer in die Kinos als 2004. Auch in der Region ist die Flaute zu spüren. Im Trierer Cinemaxx zieht man erste Konsequenzen.

Das vergangene Jahr war ein echtes Katastrophen-Jahr für die Kinobetreiber. Allerdings spielte sich der Horror nicht auf den Leinwänden ab, sondern an den Kinokassen: Die Besucherzahlen in den deutschen Filmspielhäusern gingen um 20,4 Prozent auf 121 Millionen Zuschauer zurück, der Umsatz sank von 18,1 Prozent auf 720 Millionen Euro. Zu viele Leinwände In Deutschland

Vor allem Branchenführer wie Cinemaxx trifft der Besucherschwund hart. Sie haben noch immer an ihrem Expansionsdrang zu leiden. In den 90er-Jahren schossen Großkinos, so auch in Trier, wie Pilze aus dem Boden. Und genau die fahren den Marktführern immer noch Verluste ein. Experten schätzen, dass es mit rund 5000 Leinwänden bis zu 20 Prozent zu viele in Deutschland gibt. Schon denkt man über neue Konzepte für die Multiplex-Kinos nach. Die Häuser müssten ihr Erscheinungsbild ändern, sagte Cinemaxx-Chef Hans-Joachim Flebbe. Weg vom anonymen Großraum-Filmpalast hin zu mehr Kuscheligkeit. Auch im Trierer Cinemaxx wurden im vergangenen Jahr 50 000 Besucher weniger in den sieben Sälen gezählt. Mit 400 000 Zuschauern sei der Verlust aber längst noch nicht so groß wie in der übrigen Branche, sagt Kinoleiter Bernhard Benischek. Genau wie seine Kollegen gibt er vor allem der Filmindustrie die Schuld. Es habe im vergangenen Jahr kaum zugkräftige (Hollywood)-Streifen gegeben. "Wenn die richtigen Filme gezeigt werden, kommen auch die Besucher", glaubt Benischek. Einzig die dritte Episode der Star-Wars-Saga konnte beim Trierer Cinemaxx-Publikum punkten. Erst an achter Stelle kommt die erfolgreichste deutsche Produktion des vergangenen Jahres: "Die weiße Massai", die mit insgesamt 2,2 Millionen Zuschauern bundesweit auch nicht zu den wirklich zugkräftigen Filmen gehörte. Die Kinos bekommen auch die allgemeine Kaufzurückhaltung zu spüren: Ein Kinoabend ist zum Luxus geworden. Hinzu kommt, dass in immer kürzeren Abständen nach der Kinopremiere die Streifen auf DVD erscheinen. Warum also ins Kino, wenn Dolby-Surround und Flachbildschirme auch zu Hause Filmgenuss bieten? Im Trierer Cinemaxx hat man bereits Konsequenzen gezogen: Die Spätvorstellungen von montags bis mittwochs wurden ersatzlos gestrichen und zwei von insgesamt 40 Mitarbeitern entlassen. Man wolle am Standort in Trier festhalten, heißt es aus der Hamburger Cinemaxx-Zentrale. An Schließung sei nicht gedacht. Mit Sonderveranstaltungen hofft man, wieder mehr der insgesamt 1500 Plätze zu füllen. Auch Mitbewerber Dirk Ziesenhenne kämpft mit seinem Broadway-Kino in Trier um jeden Zuschauer. Immer öfter blieben viele der 650 Plätze in den fünf Sälen leer. Wie viele Zuschauer er im vergangenen Jahr weniger hatte, darüber schweigt er: "Betriebsgeheimnis." Aber der Rückgang liege unter dem Branchendurchschnitt, sagt er. Ohne den neuesten Harry-Potter oder den Familienfilm Madagascar sähe seine Bilanz wohl noch schlechter aus. Die Frage, wie 2005 war, wird auch in den anderen Kinos oft mit "besch…" beantwortet. 25 Prozent weniger Besucher gingen ins Prümer Kino, in Bitburg heißt es, die Zahl sei etwa so wie im Jahr zuvor gewesen. Doch auch 2004 klagte die Kinobranche bereits über deutliche Rückgänge. Nun hoffen alle auf ein starkes Kinojahr 2006. Auch wenn es bislang noch keine Anzeichen für den Rückgang der Konsumflaute gibt, setzt man darauf, dass bekannte Literaturverfilmungen wie "Das Parfum" oder "Sakrileg" sowie der neue Bond und Commedy-Streifen von Otto und Bully Herbig für volle Kinosäle sorgen.