Ohne Schnickschnack

TRIER. (e.r.) Wer jung ist, besinnt sich - zumindest in der Architektur. Das belegen eine interessante Schau und ein Haus des Architekten Markus Rommel auf dem Petrisberg.

Was ist "Junge Architektur"? Ganz sicher kein selbstverliebtes Bauspektakel und auch kein Bildersturm, der sich selbst genügt. Im Gegenteil: Jung ist in der Architektur derzeit, was sich als Bau nach all dem Budenzauber der Postmoderne rückbesinnt auf die Prinzipien der so genannten Klassischen Moderne. Wobei der Begriff "klassisch" wörtlich zu nehmen ist. Reichen doch jene Architekturtugenden, die auf klare Form setzen und Konsequenz in Material und Ausdruck verlangen bis in die Antike zurück. "Junge Architektur, das kann nicht heißen, irgendwelche Moden mitmachen", bestätigt auch Markus Rommel. Er gehört zu den markanten jungen Architekten und spricht auch für ihre Gruppe im Landesverband des Bundes Deutscher Architekten (BDA). "Die Moderne gilt es zu reflektieren", fordert er. Soll heißen: Es gilt nachzudenken und die Baukunst von zeitgeistlichem Schnickschnack zu befreien. Und auf noch eins fordert der Architekt Rückbesinnung: Architektur ist Dienst am Bauherrn, an der Umwelt und an der kulturellen Zukunft. Rommel selbst hat sich bereits besonnen. Mit dem Glashaus des Trierer Büros Kersch hat er das überzeugendste der "Häuser am Wasserband" in der Bauausstellung auf der Landesgartenschau Trier geschaffen. Sein Holzhaus ist nicht allein ein gut funktionierender Bau, der zu seinem Material steht und sich dessen Ästhetik ebenso wie die Elemente der Konstruktion ausdrucksvoll zunutze macht. Rommels "Splitted Level" Haus, sein Bau mit versetzten Ebenen, ist ein kleiner bezahlbarer Kosmos, dessen Binnenstruktur seinen Bewohnern vielfältige Nutzung und ein abwechslungsreiches Innenleben ermöglicht. Mit der "Jungen Architektur" befasst sich derzeit auch der Mainzer Verband des BDA. Eine Wanderausstellung, die bis zum Wochenende in Rommels Bau zu sehen ist, zeigt, was der Nachwuchs zu bieten hat. Viel ist noch in den eigenen Reihen zu tun. Längst nicht alles überzeugt, was jung ist. Manches ist schlicht einfallslos oder misslungen, und manches scheint gerade dem Tribut zu zollen, was der BDA mit Recht bekämpft: einem Denken nämlich, für das Architektur lediglich eine modisch oder repräsentativ aufgemotzte Ansammlung Baumasse ist, die es gewinnbringend zu vermarkten gilt. Junge Architektur, wie Rommel und der BDA sie verstehen, setzten auf anderes. "Gebrauchstüchtigkeit ist eine der ureigensten Aufgaben der Architektur." Für den jungen Baumeister heißt das: Schon bei der Planung sind die veränderten Lebensmodelle der Gesellschaft in gute Form zu bringen, wie auch städtebauliche und ökologische Belange. So manches sei vorschnell aufgegeben worden meint Rommel, etwa die klassische Funktionsdreiteilung Architekt, Bauherr und Unternehmer.