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Ohnsorg-Theater in Paris

Ohnsorg-Theater in Paris

Kein glückliches Timing für die letzte Saison-Premiere im großen Haus des Theaters Trier: Wegen des zeitgleichen WM-Spiels Deutschland gegen Ghana blieb bei Labiches Schauspiel "Das Sparschwein" die Hälfte der Plätze leer. Wer sich für das Fußballspiel entschied, hatte das bessere Ende für sich.

Trier. Es gibt zwei Möglichkeiten, diese etwas angejahrte Komödie um den debakulösen Ausflug einer Handvoll Provinzler nach Paris in Szene zu setzen: Entweder man gibt reichlich Gummi, setzt auf hohe Drehzahlen und saftige, gerne auch etwas anarchische Comedy. Oder man versucht, der Sache auf den Grund zu gehen, das Tragikomische herauszukitzeln und die Höllenfahrt einer bourgeoisen Spießertruppe zu inszenieren.
Berechenbare Gags


Die Trierer Produktion tut leider nichts von beiden. Sie kommt betulich daher, jeder Gag berechenbar und mit einem Anlauf versehen wie ein Elfmeter. Um in der Fußball-Analogie zu bleiben: Die Komödie wird professionell verwaltet, der eine oder andere Lacher abgerufen, und die Akteure bringen das Ergebnis souverän über die Zeit. Das ist aber auch schon alles. Kein Sturmlauf, kein Überraschungseffekt, keine Überrumpelung. Man ahnt jeden Spielzug. Ohnsorg-Theater auf Paris-Tour. Wer\'s mag…
An den Schauspielern liegt es nicht, die machen ihren Job. Wenn Michael Ophelders hinreißend die Nöte eines hoch-adipösen Verehrers spielt oder Peter Singer als tölpeliger Bauer im großstädtischen Gewirr den Untergang des Abendlandes wittert, dann wird sogar einen Moment lang deutlich, dass in diesem Stück mehr stecken könnte als flache Publikumsbespaßung. Aber es bleiben rare Ausnahmen.
Meistens kultiviert Regisseur Klaus Rohrmoser nur Klischees. Leider ohne damit zu spielen, ohne Augenzwinkern, ohne Ironie und doppelten Boden. Dabei böte die Geschichte um eine gutbürgerliche ländliche Spielgemeinschaft, die die Einnahmen aus der Vereinskasse bei einer Reise in die "Hauptstadt der Welt" verbrät und dabei in Abgründe gerät, genug Menschliches und Allzumenschliches, um der gemächlichen Klamotte aus dem Weg zu gehen.
Ausstatterin Maria Frenzel belässt die Kostüme in der Originalzeit des 19. Jahrhunderts, überdreht die Sache aber gekonnt ins Kuriose. Das Bühnenbild ist effektiv-bespielbar, zunächst auf kleiner Flamme im Provinzkaff "La Ferté-sous-Jouarre", später dann mit angedeuteten Pariser Impressionen. Das Ensemble hängt sich rein, allen voran Manfred-Paul Hänig als Dorf-Honoratior und Bettina Koch als seine Schwester. Klaus-Michael Nix, Alina Wolff, Daniel Kröhnert, Matthias Stockinger, Jan Brunhoeber und Tim Olrik Stöneberg nehmen sich auch der kleineren Rollen mit großem Einsatz an.
Und doch: Man mag kaum glauben, dass das annähernd gleiche Ensemble in den letzten Jahren so grandiose Komödien-Produktionen wie "Einer flog übers Kuckucksnest" oder "Offene Zweierbeziehung" auf die Beine gestellt hat. Da hätte man gerade dem scheidenden Duo Hänig/Singer einen markanteren Abschied gegönnt als diese brave Routine-Komödie.
Am Ende höflicher, ziemlich rasch endenwollender Beifall in den lichten Reihen des großen Hauses. Es wäre schön, man könnte sagen, es hätte nur am Fußball gelegen.
Weitere Vorstellungen im Stadttheater gibt es am 6., 9., 12., 15. und 18. Juli.