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Open-Air-Festival mit Dream Theater, Queensrÿche und Fish vor 1700 Zuschauern im luxemburgischen Befort

Open-Air-Festival mit Dream Theater, Queensrÿche und Fish vor 1700 Zuschauern im luxemburgischen Befort

Vier-Viertel-Takt? Hm, nicht schon wieder! Beim Progressive-Rock und Metal darf’s gerne ein bisschen komplizierter sein. Dass Dream Theater und Queensrÿche auch drei Jahrzehnte nach Bandgründung anspruchs- und liebevoll stressen können, zeigten sie beim Open Air in Befort.

Open-Air-Festival mit Dream Theater, Queensrÿche und Fish vor 1700 Zuschauern im luxemburgischen Befort
Foto: (g_kultur
 Queensrÿche-Sänger Todd LaTorre (oben) im Einsatz vor der illuminierten Burg im luxemburgischen Befort. Zuvor präsentierte der frühere Marillion-Sänger Fish (unten) das Konzeptalbum Misplaced Childhood in voller Länge. Für den Abschluss des gelungenen Progressive-Rock-/Metal-Abends im historischen Ambiente sorgte Dream Theater. TV-Fotos (3): Andreas Feichtner
Queensrÿche-Sänger Todd LaTorre (oben) im Einsatz vor der illuminierten Burg im luxemburgischen Befort. Zuvor präsentierte der frühere Marillion-Sänger Fish (unten) das Konzeptalbum Misplaced Childhood in voller Länge. Für den Abschluss des gelungenen Progressive-Rock-/Metal-Abends im historischen Ambiente sorgte Dream Theater. TV-Fotos (3): Andreas Feichtner Foto: (g_kultur

Befort. Ach, ja: Kreator, Testament, Overkill. Oder dort, leicht verwaschen: Voivod, Fates Warning, Blind Guardian. Iron Maiden, Metallica? Okay, das ist Standard. Diese Bands sind alle nicht zu hören, dennoch sind sie präsent an diesem Abend der Rock-Classics-Reihe im wundervollen Ambiente vor der Burgruine in Befort: als Aufnäher.

Stolz aus dem Schrank geholt von gar nicht so wenigen Jeanskuttenträgern. Die sind inzwischen eine seltene Spezies, kaum noch in freier Wildbahn zu finden in den Shopping Malls, Hörsälen und Großraumbüros des jungen Jahrtausends. Was eigentlich schade ist: Denn das verbindet musikalisch Gleichgesinnte mehr als jedes H&M-Hemd oder jeder hihi-lustig-bedruckte Jutebeutel.

Metal ist in all seinen Spielarten natürlich unendlich mehr als nur Kutte und hat ohnehin wenig mit 80er-Nostalgie zu tun. Auch wenn dort die Wurzeln liegen.
Die US-Band Dream Theater, Mitte der 80er als Majesty gegründet, wurde in den frühen 90er richtig groß, weil sie es im ohnehin technisch anspruchsvollen Metal auf die Spitze trieben: Mit ständigen Takt- und Tempowechseln, brutalst schnellen Gitarren-, Bass- und Keyboardläufen und dem Hang zu komplexen Songstrukturen. So feiern die 1700 Zuschauer in Befort den Dream-Theater-Ritt durch die Jahrzehnte, angefangen mit "Afterlife" vom Debütalbum von 1989 über Klassiker wie Metropolis Pt. 1 bis zu neuem Material. Schlagzeuger Mike Portnoy ist seit ein paar Jahren nicht mehr dabei. Er hat aber mit Mike Mangini einen würdigen Nachfolger.

Einen wichtigen Wechsel gab's vor drei Jahren auch bei Queensrÿche. Die Amerikaner, die mit dem ruhigen "Silent Lucidity" einen großen Radiohit hatten, müssen seit drei Jahren auf Geoff Tate verzichten. Keine leichte Aufgabe für Nachfolger Todd LaTorre. Der 41-Jährige macht aber einen sehr guten Job.

Mit Metal haben Fish und Band wenig bis nichts zu tun, mit Konzeptalben und anspruchsvollem Rock aber schon. "Ich spiele heute nur einen Song", kündigte der früher Marillion-Sänger zur Eröffnung des Abends an - und spielte in der folgenden Dreiviertelstunde das komplette "Misplaced Childhood" von Marillion, 30 Jahre nach der Veröffentlichung, inklusive Hits wie Kayleigh und Lavender. "Und nach dieser Tour nie wieder." Das bot dann doch Nostalgie-Kicks für manchen Fan von früher, Gänsehaut inklusive: "There's no childhood's end", singt er. Die Kindheit bleibt. Schöne Erkenntnis eines gelungenen Abends.