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Orchester und Solist im Dialog

Orchester und Solist im Dialog

Pianist Rudolf Buchbinder und das City of Birmingham Orchestra unter Andris Nelsons haben vor etwa 1000 Zuhörern in der Luxemburger Philharmonie gespielt. Buchbinder überzeugte mit Beethovens Klavierkonzert in G-Dur.

Luxemburg. Keine Frage, Rudolf Buchbinder ist ein Star. Und wenn es um Klaviermusik von Ludwig van Beethoven geht, zudem einer der wichtigen Pianisten dieser Zeit. Mit dem Klavierkonzert in G-Dur, op. 58, war der österreichische Altmeister in die Philharmonie gekommen, zusammen mit dem City of Birmingham Orchestra und seinem Dirigenten Andris Nelsons.
Beethovens Werk ist vielleicht das schönste Klavierkonzert des Komponisten. Leise und nachdenklich eröffnete Buchbinder mit den berühmten G-Dur-Akkorden des Klaviers. Eine musikalische Innenschau, die das Orchester quasi nach außen kehrte und weiterentwickelte. Eben dieser Dialog, das selbstbewusste Unisono des Orchesters gegen die seelenvolle Einzelstimme des Klaviers, machte die neuerliche Aufführung des tausendfach gespielten Konzerts zum Erlebnis.
Buchbinder und Nelsons mit seinen Musikern schafften es, die Spannung zwischen Intimität und mal triumphalem, mal düsterem Pathos zu halten. Wunderbar: die Kadenz. Buchbinder spielte leicht, seine Läufe machten von Anfang an alle Unheilsahnung und Schwere, die in diesem Konzert auch steckt, zunichte. Allerdings überspielte zuweilen die routinierte Eleganz des Pianisten das fein ausgeformte musikalische Figurenwerk. Das englische Orchester, das der Lette Nelsons nach einer längeren Durststrecke wieder auf Vordermann gebracht hat, strahlte in Luxemburg vor Spielfreude. Ohne Zweifel überträgt sich Nelsons bekannte Energie und Leidenschaft auf die Musiker. Vor allem die Bläser machten deutlich, welche Möglichkeiten dieser Klangkörper noch hat.
Begonnen hatte der Abend mit Benjamin Brittens Orchester-Suite "Four Sea Interludes from Peter Grimes", ein Bild vom Meer, seinen Stimmungen und Tageszeiten. Großartig dämmerte musikalisch der Morgen mit seiner Stille, in der sich Vogelgezwitscher und leiser Wellengang regt, bevor sich die gemächliche Ruhe des Sonntagmorgens ausbreitet.
Zum Ende: Jean Sibelius\' Symphonie Nr. 2 in D-Dur. Bei Nelsons war sie in guten Händen. Packend, wenn auch manchmal etwas diffus, vermittelten die Musiker die ganze pathetische Kraft dieses musikalischen Kampfgetümmels, die spröde Farbigkeit, die schrillen Kontraste, die großen romantischen Bögen. Atemberaubend: das irrwitzige "Vivacissimo" mit seinen angriffslustigen Streichern. er