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Organisierter Ausnahmezustand

Organisierter Ausnahmezustand

Die pure Freude an der Musik, der Adrenalinschub eines Livekonzerts und der Spaß am schrankenlosen Feiern ist eines der erfolgreichsten Geschäftsmodelle im Unterhaltungsmarkt. Die Macht der Festivals prägt im Sommer ganz Deutschland - und sie wird immer größer.

Trier. Drei Tage lang Musik, Feiern, Freiheit, keine Zwänge, kaum Regeln, die Campingplätze eine Dauerpartyzone, das Programm bestückt mit einem Mix aus vielversprechenden Newcomern und den Besten der Zunft - so wird ein Festival zum Kurzurlaub vom Alltags-Ich. Während der Veranstalter Marek Lieberberg und der Nürburgringbesitzer Capricorn um die Marke Rock am Ring streiten und 2015 mit zwei Veranstaltungen gegeneinander antreten wollen (der TV berichtete), bewegt sich die Festivalszene in Deutschland.

Southside: Neuhausen ob Eck - einer der eher ungewöhnlichen Ortsnamen. Die 4000-Seelen-Gemeinde im baden-württembergischen Landkreis Tuttlingen hat sich gerade verpflichtet, bis 2020 Gastgeber des Southside-Festivals zu bleiben. "Seit ich hier Bürgermeister bin, gibt es jetzt zum ersten Mal keine Gerüchte mehr, dieses Jahr finde das letzte Southside-Festival hier statt", sagt Neuhausens Bürgermeister Hans-Jürgen Osswald.
60 000 Fans feierten am vergangenen Wochenende eines der mittlerweile größten Festivals in Deutschland. Der Veranstalter, die Hamburger Gesellschaft FKP Scorpio, präsentiert auch das Hurricane-Festival, das parallel zum Southside mit denselben Bands auf einer Sandrennbahn im niedersächsischen Scheeßel stattfindet. Dort feierten 70 000 Fans. FKP Scorpio veranstaltet auch Deichbrand bei Cuxhaven (18. bis 21. Juli, voraussichtlich 35 000 Besucher), Highfield an einem Stausee bei Erfurt (15. bis 17. August, voraussichtlich 23 000 Besucher) und den Chiemsee Summer (13. bis 17. August, voraussichtlich 35 000 Besucher). FKP Scorpio erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 100 Millionen Euro, die Kurve zeigt weiter nach oben.

Rock-a-Field: Musikfans in der Region Trier müssen weder weit fahren noch lange warten, um ein Festival zu erleben: Am kommenden Wochenende, 27. bis 29. Juni, läuft in der luxemburgischen Gemeinde Roeser das Rock-a-Field. Mit fast 30 000 Besuchern ist das Festival definitiv die größte Party Luxemburgs, die Topacts sind 30 Seconds To Mars, die Kings of Leon und Alice in Chains. Veranstalter ist der 1995 eröffnete Nachtclub Den Atelier in Luxemburg-Stadt, der auch die Rockhal in Esch-sur-Alzette betreibt. Noch gibt es Tickets.

Wacken: Ein winziger Ort mitten in der norddeutschen Flachlandprovinz, in dem es mehr Kühe als junge Leute gibt, startete 1990 den Aufstieg zur Welthauptstadt des Heavy Metal. Der Meistertitel des größten Metal-Festivals der Welt basiert auf zwei Werten: Zum einen kommen mittlerweile mehr als 70 000 Fans in die Gemeinde Wacken (2000 Einwohner) in Schleswig-Holstein, zum anderen umfasst die Veranstaltung 240 Hektar oder 300 Fußballfelder. In diesem Jahr findet Wacken vom 29. Juli bis 2. August statt und hält einen einsamen Rekord: Alle 75 000 Tickets waren 48 Stunden nach dem Vorverkaufsstart ausverkauft.

Rock 'n' Heim: 2013 startete Marek Lieberberg mit einem neuen Festival auf dem Hockenheimring südlich von Mannheim und landete damit einen großen Erfolg. 40 000 feierten die Premiere und belohnten den Wagemut der Veranstalter. Rock\'n\'Heim findet vom 15. bis zum 17. August zum zweiten Mal statt. Auch hier gibt es noch Tickets.

Grüne Hölle: Der Sommer 2015 wird spannend. Die Gesellschaft Capricorn, Besitzerin des Nürburgrings, will vom 5. bis zum 7. Juni 2015 dort ein neues Festival starten. Grüne Hölle soll es heißen. Marek Lieberberg verhandelt unterdessen mit Mönchengladbach. Dort will er parallel zur Grünen Hölle sein neues Festival starten. Noch ist es ein Geheimnis, wer auf beiden Festivals spielen wird.