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Orgel im Lungenfunktionstest

Orgel im Lungenfunktionstest

Trierer Komponisten standen im Mittelpunkt des ersten Konzertes der internationalen Orgeltage im Dom. Aber auch mit Werken von Schumann und Liszt ließ sich das Publikum ansprechen.

Trier. (gkl) Einen wahren Lungenfunktionstest nahm Domorganist Josef Still im Eröffnungskonzert der diesjährigen Orgeltage vor. In der sinfonischen Fantasie über "Ad nos, ad salutarem undam" verlangt Franz Liszt alles, was eine Orgel an Kraft aufzubringen im Stande ist. Die Vorlage hierzu entnahm Liszt Giacomo Meierbeers Oper "Le Prophete" und deutete den Choral in allen nur denkbaren Farben aus. Es entstand eine Komposition, die von Ausführenden musikalisch wie technisch höchstes Können verlangt, bei den teilweise wahnwitzigen Pedalläufen auch schon ein gewisses sportliches Talent. Still meisterte diese Aufgaben problemlos und schaffte es, seinem Publikum eine satte halbe Stunde Spannung zu bieten.

Was voller Emotion endete, hatte fast akademisch mit den sechs Kanonstudien von Robert Schumann, im Original für einen Pedalflügel geschrieben, begonnen. Ein perfekter Einstieg in einen Abend, der der deutschen Romantik gewidmet war, denn je weiter sich Still in dem kleinen Zyklus fortbewegte, desto mehr verließ er die fast barocke Strenge des Kanon 1 hin zur Klangsprache des 19. Jahrhunderts.

Zwischen Schumann und Liszt hatte Still drei Trierer Komponisten postiert. In herrlichen romantischen Farben gestaltete Still "Präludium und Fuge für die volle Orgel" seines Amtsvorgängers Michael Hermesdorff. Ein Klangbad für die Zuhörer mit großen kompositorischen Qualitäten. Kurz, aber nicht weniger effektvoll erklang Heinrich Oberhoffers "Fest-Praeludium", das der Pfalzeler für seinen Dienst in der Luxemburger Kathedrale geschrieben hatte.

Höhepunkt der Trierer Sektion aber war das "Magnificat solenelle" von Georg Schmitt. Für manch einen mochte das manchmal fast schon operettenhafte Wesen des Werks befremdlich sein und zum Schmunzeln verführen. Still traf aber genau den Punkt und präsentierte auf exzellente Art eine ausgereifte Komposition. Alleine schon für den Mittelteil mit den Trierer Komponisten hatte sich der Besuch des Abends gelohnt.