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Oscar Peterson Trio macht Musik für lange Nächte

FOTO: (g_kultur
Marlene Dietrich bezeichnete Harold Arlen einmal als den "schwärzesten weißen Komponisten", der jemals für den Broadway und für Hollywood gearbeitet hatte. In der Tat findet sich in zahlreichen seiner Songs ein genuines Bluesfeeling, das der Komponist mit Elementen traditioneller amerikanischer Folkmusic verband und zu seinem typischen "Arlen-Sound" machte. Rainer Nolden

Dazu braucht es nicht einmal das Wort "Blues" im Text ("I gotta right to sing the Blues", "Blues in the Night"); das spürt man auch in Songs wie "Stormy Weather", "That Old Black Magic" oder "Come Rain or Come Shine".
Kein Wunder also, dass seine Werke gern von Jazzmusikern ins Repertoire genommen und auf je unterschiedliche Weise veredelt wurden. Zu ihnen gehörte auch der Pianist Oscar Peterson, einer der großen Vertreter des Mainstream-Jazz. Dieser wiederum war eines der Zugpferde im Stall des Jazzimpresarios Norman Granz, dem Erfinder der "American-Songbook"-Reihe. Die Idee dahinter: die Werke eines (zumeist Broadway-)Komponisten in beispielhaften Arrangements "en bloc" zu präsentieren.
Unter Musical-Komponisten wie George Gershwin, Richard Rodgers oder Cole Porter fand auch Arlen (1905 bis 1986) mehrfach Aufnahme in diese Serie. Noch ehe Granz' - um im Jargon zu bleiben - bestes Zugpferd Ella Fitzgerald das Arlen-Songbook 1961 aufnahm, hatte der Produzent schon zwei Mal Oscar Peterson für einige der bekanntesten Nummern ins Studio gebeten. Eine hörenswerte Wiederentdeckung: Lässig dahinperlend, unaufgeregt und mit ausgesprochen musikantischer Spiellaune interpretiert das Peterson-Trio (1954 mit dem Bassisten Ray Brown und dem Gitarristen Herb Ellis, der bei der Session 1959 dem Schlagzeuger Ed Thigpen Platz machte) die unverwüstlichen Evergreens, zwölf an der Zahl, in zwei Varianten. Bei Nummer 25, dem Bonus-Track für die CD, kann man Peterson auch als Sänger erleben: mit der Nachtklubhymne aller Einsamen und Verlassenen, die sich um drei Uhr nachts an irgendeiner Bar am letzten Drink festhalten: "One for my baby". Dazu passt am besten ein Whisky on the rocks.
Rainer Nolden
Oscar Peterson Trio, The Complete Harold Arlen Songbook, Essential Jazz Classics EJC 55715, über in-akustik,