"Oxen: Der dunkle Mann" - Die Jagd geht weiter

Literatur : Die Jagd geht weiter

Bei seinem ersten Fall hat es der mit zahlreichen Tapferkeitsorden ausgezeichnete Ex-Elitesoldat Niels Oxen nicht geschafft, die Mitglieder des mysteriösen Danehof zu enttarnen, jene Verschwörungsgemeinschaft einflussreicher Männer und Frauen, die ihre eigene Parallel-Regierung im liberalen Dänemark betreiben möchten – zu ihrem vor allem finanziellen Vorteil.

Aber Oxen, der im Balkan gekämpft hat und mit einer posttraumatischen Belastungsstörung zurückgekommen ist, die ihn nicht in einen friedlichen Alltag zurückfinden lässt, ist den Mitgliedern viel zu nahegekommen und hat zu viel über sie herausgefunden, als dass sie ihn in Ruhe lassen könnten.

Und so hat sich der Soldat zu Beginn des zweiten Abenteuers bei einem Fischzüchter in die dänische Provinz geflüchtet, wo er dem Mann unter falschem Namen als Hilfsarbeiter dient. Er hat jedoch die Rechnung ohne seine ehemalige Mitarbeiterin Margrethe Franck vom Inlandsnachrichtendienst PET und deren Boss Axel Mossmann gemacht. Sie wollen und können auf Oxens Insiderwissen, das er zum Teil für sich behalten hat, nicht verzichten. Denn er hatte seinerzeit einen Museumsdirektor, der über die Machenschaften des Danehofs forscht, mit wertvollen Informationen versorgt. Und nun wird dieser Museumsdirektor ermordet aufgefunden. Für Mossmann ist klar, dass Oxen zumindest indirekt mit diesem Tod in Verbindung zu bringen ist. Also beauftragt er Margrethe Franck, den Verschollenen zu suchen. Nachdem sie ihn gefunden hat, gerät er erst recht in Gefahr, denn längst sind auch die Kollegen vom PET im Visier des Danehofs und überwachen jeden derer Schritte. Sind sie allerdings wirklich nur im Visier – oder vielleicht sogar dessen Mitglieder? Diese Frage stellt sich Oxen erneut, zumal er endlich erfährt, was er bisher nur geahnt hat: dass nämlich Mossmann von Anfang an ein doppeltes (und sogar tödliches) Spiel mit ihm getrieben hat. Was sich erneut bestätigt, als besagter Museumschef ein zweites Mal tot aufgefunden wird – und auch der PET-Chef wird Opfer eines Mordanschlags. Auf welcher Seite steht dieser mächtige Mann nun wirklich? Oxen gerät immer mehr ins Zweifeln …

Auch in seinem zweiten Fall, „Der dunkle Mann“, erweist Jens Henrik Jensen sich als Meister des Verwirrspiels. Seine Leser hält er ebenso im Ungewissen wie seine Protagonisten, denen er eine ganze Reihe neuer dunkler Gestalten zur Seite stellt, deren oft doppeltes Spiel nur schwer zu durchschauen ist. Höchste Konzentration bei der Lektüre ist also gefragt, zumal Jensen passagenweise nur Personalpronomina für seine Figuren benutzt, so dass sich oft erst viele Seiten später in der Rückschau erschließt, wer etwas gesagt oder getan hat. Am Ende des Romans, so viel sei verraten, sieht Niels Oxen ein wenig klarer, und er weiß nun auch, wem er vertrauen kann. Gerettet hat ihn das aber nicht. Am Ende ist er wieder als Einzelkämpfer allein auf hoher See (was durchaus wörtlich zu verstehen ist), doch die Auftragskiller des Danehofs (oder vielleicht sogar einer anderen Organisation?) sind ihm weiterhin auf der Spur. Wir geben allerdings kein Geheimnis preis, wenn wir verraten, dass Oxen dieses Mal (noch) überlebt: Schließlich muss er sich seinen Feinden in einem dritten Band stellen. Im September geht es weiter …

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