Papst Benedikt,

wenn es angesichts des Umfeldes nicht so missverständlich klänge, könnte man glatt sagen: Da ist ja die Hölle los bei Ihnen im Vatikan. Jeden Tag neue Schlagzeilen, jeden Abend frische Fernsehbilder, immer wieder Menschenmassen auf dem Petersplatz.

Wenn das so weitergeht, wird der Papst noch zum Popstar des 21. Jahrhunderts. Der olle Josef Beuys, sonst nicht gerade ein Klerikaler, hätte seine helle Freude gehabt am Gesamtkunstwerk rund um die Lateranstadt. Es war aber auch wieder so was von spannend die letzten Tage: Erst die Geschichte mit dem päpstlichen Alt-Golf, der plötzlich für den Wert eines Lamborghini Murcielago über die Internet-Ladentheke ging. Bei uns im gemütlichen Trier - Sie wissen noch, dieses Städtchen, wo bei Ihrem letzten Besuch die putzigen kleinen Weihnachtsbüdchen auf dem Platz vor dem Dom standen - da haben die ersten Cleverles vorsichtig Erkundigungen über das Auto von unserem Bischof Marx eingezogen, man weiß ja nie, was die Leute später noch für eine Karriere machen in der Kirche. Kaum war das vorbei, kamen schon die Briefmarken mit Ihrem Konterfei. Da hat die Deutsche Post mal wieder voll gepennt und den Kollegen von Posta Vaticana die Initiative überlassen, statt im Blitztempo eine schwarz-rot-golden umrandete Marke mit der Aufschrift "Sonum papam" (zu Deutsch: Wir sind Papst") herauszubringen. Wie das mit der Schnelligkeit geht, haben Sie uns ja dann gezeigt. Da standen die Massen auf dem Petersplatz und skandierten "Santo subito" für Ihren Vorgänger. Das hat sogar ein des Italienischen ohnmächtiger Germane wie ich verstanden: "Santo" heißt heilig, und "Subito" haben immer die deutschen Touris in Rimini gerufen, wenn der Kellner mit dem Espresso nicht beikam. Nur mit dem Unterschied, dass es am Lido nicht zu einer Beschleunigung des Vorgangs führte, auf dem Petersplatz aber schon. Soll noch einer sagen, Sie stünden nicht für Fortschritt. Dieter Lintz