Parnass-Ensemble präsentiert musikalischen Abend über Dichterin Friederike Kempner

Konzert : Köstliche Perlen der Poesie

Das Parnass-Ensemble hat sich in der Tufa der Dichterin Friederike Kempner angenommen, die als „schlesischer Schwan“ von ihren Autorenkollegen und der Presse verachtet wurde. Ein unterhaltsamer Abend mit feinem Humor und hochkarätiger Musik wurde es.

Es gibt Dinge im Leben, die sind so hässlich, dass sie schon wieder schön erscheinen. Ähnlich verhält es sich mit den Gedichten von Friederike Kempner, die vor 150 Jahren lebte und schrieb. Würde man ihre Gedichte einfach nur lesen, mancher würde den Gedichtband sehr schnell kopfschüttelnd weglegen. Doch mit dem Parnass-Ensemble, das diese Gedichte mit Kreativität, Witz, Frische und musikalischem Können präsentierte, konnte man sich zwei Stunden mit ihr beschäftigen.

Sie griff ins Leben, hat alle Themen, die sie bewegten, in ihren Dichtungen berücksichtigt, sei es den Tod ihres Papageis Jakob, den ihrer Mutter, Kriege, Vorurteile oder Streit. Dabei sind ihr einige sprachliche und inhaltliche Missgeschicke passiert, und Friederike Kempner wurde in ihrer Zeit, von ihren Kollegen und der Presse geächtet. „Heimlich liest man sie, schämt sich, sie gut zu finden“, sagt Claudia Dylla auf der Bühne in der Tufa. Ihre eigene Verwandtschaft genierte sich für Zeilen wie diese: „Willst gelangen du zum Ziele, wohlverdienten Preis gewinnen, muss der Schweiß herunterrinnen, von der Decke bis zur Diele“ oder „Amerika, du Land der Träume, du Wunderwelt so lang und breit, wie schön sind deine Kokosbäume und deine rege Einsamkeit“.

Übung hat das Parnass-Ensemble in Dichterabenden, unter anderem haben sie Hermann Hesse einen Themenabend gewidmet.

Claudia Dylla trug die Texte von Friederike Kempner vor, Cary Greisch an der klassischen Gitarre, Angela Simons am Violoncello und Stefan Reil am Akkordeon sorgten für die passende Musik. Den Auftakt bildete der beschwingte „Maple leaf Rag“ von Scott Joplin, der die Unbekümmertheit der Dichterin, die eine jüdische Gutsherrentochter aus Schlesien war, widerspiegelte.

Ihre Naivität und Einfältigkeit brachte Claudi Dylla überzeugend auf die Bühne, auch ihr Selbstbewusstsein und ihre vermeintliche Berufung zur Dichterin konnten die insgesamt rund 150 Besucher, die an zwei Abenden in den kleinen Saal der Trierer Tufa gekommen waren, nachempfingen.

Um die Stimmungen zu vertiefen, haben sich die Musiker Stücke in den passenden Klangfarben ausgesucht oder diese selbst erzeugt, wie den Hauch eines Sterbenen mit dem Schifferklavier oder den gepfiffenen Flohwalzer nach einem Gedicht über die Freiheit der Vögel. Es wurden Stücke von Johann Strauß, Antonin Dvorák, eine jiddische Melodie, der Radetzkymarsch, Edith Piaf oder die Tritsch-Tratsch-Polka von Johann Strauss Sohn vorgetragen und in passender Weise interpretiert.

Der Abend umfasste einen Reigen von insgesamt zwölf Szenen, die verschiedene Lebenseinstellungen der Dichterin thematisierten, beispielsweise die Trauer um geliebte Menschen und Tiere, ihre gefühlte Berufung zur Dichterin oder der Ärger über die Verwandtschaft, die sich ihrer schämte. Ein Neffe hatte sogar seinen Namen ändern lassen, um nicht mit ihr in Verbindung gebracht zu werden. Zu dem kam die Verzweiflung über die Grammatik und das Reimen, das ihr manchmal schwerfiel, schließlich aber doch zu der Selbstgewissheit führten, das Richtige getan zu haben. Schließlich ist einer ihrer Gedichtbände, der 1873 erschienen ist, 1903 bereits in der achten Auflage veröffentlicht worden. Die Dichterin hat sich zudem der Krankenpflege und Armenfürsorge gewidmet. Für ihr Engagement, unter anderem für die Verlängerung der Karenzzeit zwischen Tod und Bestattung, wurde sie ausgezeichnet, denn die Angst, lebendig begraben zu sein, war damals sehr groß. Für einen unterhaltsamen Abend haben ihre Werke sogar bis heute nachgewirkt.