Parodie in Höchstform

Parodie in Höchstform

Freunde bissigen politischen Kabaretts sind bei "Kröhnerts Krönung" in der Tufa Trier auf ihre Kosten gekommen. Der in Kirchberg (Rhein-Hunsrück-Kreis) lebende Künstler Reiner Kröhnert parodierte politisches Personal von Angela Merkel bis Erich Honecker.

Trier. Die Lacher hat Reiner Kröhnert sofort auf seiner Seite, als er - mit Perücke ausstaffiert - Angela Merkel mimt. Paraderolle für den 55-Jährigen, der eine Schauspielausbildung zugunsten des Kabaretts abbrach, 1980 für Didi Hallervordens "Wühlmäuse" engagiert wurde und seit 1987 solo unterwegs ist. Vielfach ausgezeichnet ist sein parodistisches Talent, das in der Darstellung der Kanzlerin wahre Meisterschaft offenbart. Da stimmt alles, von der Mimik mit hängenden Mundwinkeln über die Gestik bis hin zur Stimme und Ausdrucksweise. Damit einher geht inhaltlicher Biss: In pointierter Überzeichnung stellt der Kabarettist die Kanzlerin als machtorientierte Person dar, die nach dem Motto handelt: "Was nutzt, ist gut, was mir nutzt, ist noch besser."Sahnestück Talkshow

Doch nicht nur sie bekommt ihr Fett weg. Kröhnert persifliert auch Winfried Kretschmann, Jürgen Trittin, Daniel Cohn-Bendit, Wolfgang Schäuble, Friedrich Merz, Dirk Niebel, Peter Hintze, Ronald Pofalla, Gerhard Schröder sowie den Papst und lässt sie ihre Charaktere wie Unzulänglichkeiten in Gesprächen oder Monologen entlarven. Kabinettstückchen im anspruchsvollen, scharfzüngigen und teils schwarzhumorigen Programm sind die vier Teile einer Talkshow mit Michel Friedmann und Rüdiger Safranski zum Thema "Der Intellekt hat viele Gesichter". Hier prallt die selbstverliebte Tumbheit der Gäste Boris Becker, Dieter Bohlen, Mario Basler und Daniela Katzenberger auf die ebenso selbstverliebte Intellektualität der Talkmaster. Am Ende bleibt die Frage, wer die wahren Dummen sind. Vom Justizirrtum zum BruderkussKöstlich auch die Parodie mit Erich Honecker und Gerhard Stoltenberg als Leidensgenossen in der Vorhölle, die erst streiten, wer nun der Justizirrtum ist, um dann den Bruderkuss zu tauschen. Glanzstück aber ist ein Stelldichein der etwas altersverwirrten Politurgesteine Dietrich Genscher, Rita Süssmuth und Hans-Jochen Vogel. Letzterer sagt: "Der einzige Lichtblick in meiner Partei ist die glimmende Zigarettenspitze von Helmut Schmidt" und stimmt damit ins allgemeine Klagelied über den Verlust politischer Profile, Feindbilder und Charakterköpfe ein. Das kommt beim eher reiferen Publikum, das noch die alte politische Garde kennt, bestens an. Unter den knapp 100 Zuschauern sind einige Theaterleute, denn Reiner Kröhnerts Sohn Daniel ist Mitglied im Schauspielensemble des Theaters Trier. Nicht nur sie honorieren mit viel Applaus einen Abend, der die schon etwas selten gewordene Tradition rein politischen Kabaretts sehr kunstvoll gepflegt hat. ae

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