Perfekte Illusion

Ein überwältigendes Multimedia-Spektakel mit reichlich Futter für Augen und Ohren, eine musikalische Präzisionsarbeit, vor allem aber eine perfekte Illusion: Das Best-of-Pink-Floyd-Konzert in der Rockhal lieferte rund 3000 Besuchern beste Unterhaltung.

Esch/Alzette. Man muss Cover-Bands nicht mögen. Oft ziehen sie lediglich das musikalische Erbe einer großen Gruppe auf die Höhe einer Kirmesbühne herunter. Manchmal sind sie aber auch die einzige Chance, dieses musikalische Erbe am Leben zu erhalten, jedenfalls, wenn es um die Liveshows geht.
Pink-Floyd-Coverbands haben dabei eine besondere Stellung. Sie spielen in Riesenhallen, produzieren ungeheuer aufwendige Spektakel, haben selbst mitunter schon Kultstatus. Das ist kein Zufall. Pink Floyd war eine Band, deren Musiker immer die Musik in den Vordergrund stellten, nicht das Personal. Ihre sinfonischen Klang-Kathedralen schreien danach, auch von anderen aufgeführt zu werden. Beethoven-Sinfonien hat man schließlich auch nicht nur zu Lebzeiten des Komponisten gespielt.
Brit Floyd ist die perfekte Inkarnation des Originals, aber klug genug, so viel Spielraum zu lassen, dass kein lebloser Klon herauskommt. Es wird, so weit man das im Saal beurteilen kann, relativ viel live gespielt, sogar die Divisionsglocke bei "High Hopes".
Nahe am Vorbild, aber kein Klon


Die Stimmen und die Instrumentalklänge liegen nahe beim Vorbild, auch die monumentale, beständig im Takt zuckende und blitzende Lichtshow und die psychedelischen Video-Einblendungen auf der typisch runden Leinwand unter dem typisch halbrunden Lichtbogen entsprechen dem Original. Selbst der fliegende Kampf-Keiler bei "Pigs" fehlt nicht, auch wenn das zehn Meter lange, aufgeblasene Monster-Schwein in der wahrlich nicht kleinen Rockhal Mühe hat, sich freie Bahn zu verschaffen.
Das Repertoire? Schwierige Sache. Das Programm dauert gerade mal drei Stunden, die Wunschliste eines ordentlichen Pink-Floyd-Fans wäre in sechs nicht abzuarbeiten. Phänomenaler Start mit "Shine on", Klassiker wie "Time" und "Money", allerlei "The Wall"-Schmankerl, natürlich "Wish You Were Here" und "Great Gig in the Sky" - letzteres Keyboarder Rick Wright gewidmet, dessen Tod auch die letzte Hoffnung auf eine Reunion der echten Pink Floyd zerstört hat.
Das Material aus den Sechzigern bleibt leider außen vor, dafür gibt es mit "Echoes" und "One of These Days" zwei fiebrige, exzessive 20-Minuten-Streifzüge durch die wilden Siebziger-Zeiten. Das, was die Herren Gilmour und Waters rauchten, als ihnen solche Musik einfiel, würde man auch mal gerne probiert haben.
Zu diesem Zeitpunkt ist das Publikum im altersangemessen bestuhlten Saal längst aufgetaut, erhebt sich von den Sitzen und feiert frenetisch die Zugaben-Hymne "Comfortably Numb".
Natürlich ist das alles nur Illusion. Da oben stehen hochqualifizierte Kopisten auf der Bühne und verschaffen gegen Gage dem Publikum das wider besseres Wissen aufkommende Gefühl, seine Idole und ihre Musik noch einmal zu erleben.
Aber wenn es das Original schon nicht mehr gibt: Man kann auch mit der zweitbesten Lösung einen grandiosen Abend verbringen.

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