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Peter Yeldhams Komödie "Auf und davon" feiert im Theater Trier Premiere

Trier : Jung und hinterlistig

Im Theater Trier inszeniert Hausherr Manfred Langner Peter Yeldhams Komödie „Auf und davon“ im Großen Haus.

Er dürfte der älteste noch lebende Autor des klassischen Boulevards sein: Peter Yeldham. 1927 in Australien geboren, zog er Mitte der 1950er Jahre nach Großbritannien und arbeitete zunächst fürs Fernsehen und das Kino. Dort hat er mit Werken wie  „Die Verdammten der blauen Berge“ oder „Das Mädchen vom Korallenriff“ freilich nicht gerade tiefe Fußspuren hinterlassen. Als er sich mit einem Filmproduzenten verkrachte, beschloss er, den Schwerpunkt seiner Arbeit aufs Theater zu verlegen und schrieb Boulevardkomödien, die fast überall auf der Welt die Theater füllten. Und als Dramatiker des Leichtfüßigen ist er auch hierzulande bestens bekannt; fast alle seiner insgesamt acht Komödien wurden auch auf Deutsch gespielt.

Boulevardkomödien – das war nun ganz und gar nicht das Genre, dessentwegen Manfred Langner seinerzeit zum Theater gegangen war. Der junge aufstrebende Regisseur hatte den Beruf wegen Goethe, Schiller und Shakespeare ergriffen, und wenn schon Komödien, dann allerhöchstens mal ein Kleist. Doch da ihn sein damaliger Chef vor die Alternative stellte, mach es oder geh, entschied er sich fürs Machen. Und musste feststellen, dass eine Boulevardkomödie auf die Bühne zu bringen eine äußerst verzwickte Sache ist. Die funktioniert nämlich exakt wie ein Schweizer Uhrwerk, wenn sie gut geschrieben ist, und verlangt allen Beteiligten neben äußerster Präzision ein exaktes Gefühl fürs Timing ab. Und wehe, ein Rädchen gerät ins Ruckeln! Da kann die schönste Pointe rasch verpuffen. Bei der Arbeit, erläutert der Trierer Intendant, „lernt man das Genre schätzen und gleichzeitig die Schwierigkeiten kennen, die es bietet – größere etwa als eine Tragödie“. Denn damit könne man Menschen berühren oder schockieren. „Aber den Punkt zu finden, an dem jemand lacht, also eine sehr direkte und spontane Gefühlsäußerung von sich gibt – den zu erwischen, das ist die Kunst.“

Und gut geschrieben ist Peter Yeldhams „Auf und davon“, erklärt Langner, diese pfiffige Gaunerkomödie um junge, mit allen Wassern gewaschene Frauen, die ans Geld ranwollen, und zielstrebigen, hinterlistigen Männern, die das Geld haben und an die Frauen ranwollen. In seinem allerersten Bühnenstück erzählt Yeldham von Josephine und Elizabeth, die mit ihrer Masche so lange erfolgreich sind, bis sie Charlie kennenlernen und feststellen müssen, ihren Herrn und Meister in Sachen Tricksereien und Schwindeleien gefunden zu haben.

Ist eine solche Boulevardkomödie nicht eigentlich ein paar Gramm zu leicht für ein „richtiges“ Theater? Das bestreitet Langner vehement. Und liefert auch gleich den Grund für seine Entscheidung, „Auf und davon“ aufs Programm zu setzen: Natürlich hätte man etwas wählen können, das die aktuelle Situation widerspiegelt. „Aber ich habe ganz bewusst ein Stück ausgesucht, das nichts mit Corona zu tun hat. Die Leute sollen das im Theater mal für zwei Stunden vergessen.“ Obwohl er bzw. seine Schauspieler/innen dem Virus auf der Bühne auch ihren Respekt erweisen müssen: Es gibt nämlich eine Menge Szenen, die durchaus intensiven Körperkontakt verlangen. Und wie hat er dieses Problem gelöst? „Soll ich das jetzt wirklich verraten?“, fragt Langner zurück. Und entscheidet sich dagegen. Sollen die Zuschauer es doch selber sehen.

In „Auf und davon“ lernt das Publikum übrigens die beiden neuen Ensemblemitglieder kennen, die ab dieser Spielzeit in Trier sind: Raphael Christoph Grosch und Lennart Hillmann. Premiere ist am Samstag, 26. September, 19.30 Uhr, im Großen Haus. Bis auf Weiteres unter Corona-Bedingungen. Das heißt: Viel Platz zwischen den Zuschauern – und keine Premierenfeier nach der Aufführung.

Karten gibt es online auf www.theater-trier.de, unter der Mailadresse theaterkasse@trier.de sowie unter Telefon 0651/ 718-1818.